DR. JAN PHILIPP ENGELKE

  1. Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Für mich umfasst die Idee eines modernen Wirtschaftens den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen genauso wie die Achtung der Würde des Menschen. In einer einfachen, kurzen Beschreibung erschließt sich die Bedeutung der beiden Ebenen aus dem holistischen Verständnis von Systemerhalt auf fundamentaler Ebene – wie Wasser, Luft, Ressourcen, genauso wie der dem Menschen dienenden Infrastruktur im Einklang mit diesen Zielen – in Verbindung mit dem maximal möglichen, hoffentlich noch lange nicht erreichten Wunsch, den Menschen in all seinen Facetten zu erkunden und zu öffnen: in seiner ökonomischen wie künstlerischen Kreativität, Produktivität und Lebenszuversicht. In seiner Freiheit, Entscheidungen zu treffen, Fehler zu machen und Grenzen zu erkunden, sowie Raum und Räume zu gestalten.

  1. Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das Streben des Menschen nach Selbstentfaltung, Kreativität und sozialer Interaktion. Hierzu bedarf es offener Räume, die Impulse setzen, kreatives Arbeiten und Zielerreichung genauso wie Ruhe und Reflektion ermöglichen.

Allerdings können und sollten diese Bedürfnisse niemals für sich alleine stehen, sie sollten eingedenk der ureigensten menschlichen Schwächen gedacht werden: Narzissmus, Egoismus, Neid, wachstums- und generationenbedingte Abhängigkeiten, unterschiedliche Fähigkeiten, Angst – um nur einige zu nennen.

  1. Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Ich denke, dass Versuche, ein bedingungsloses Grundeinkommen zu realisieren, in die richtige Richtung weisen. Menschen werden hierdurch Räume eröffnet, die sie für die Gestaltung sozialer Interaktion nutzen können. Durch erste Feldversuche, wie z. B. nun in Schleswig-Holstein, können die sozialen und kreativen Impulse einer subsistenzsichernden Grundsicherung erstmals gesamtgesellschaftlich erfahren, erfasst und diskutiert werden. Zudem denke ich, dass kooperatives Arbeiten, flexible Arbeitszeitmodelle und Shared-Economy-Ansätze ebenfalls Weichenstellungen für fundamentale Entwicklungen sein können.

Darüber hinaus sind mir die Diskursansätze noch zu sehr ideologisch aufgeladen, da sie Begriffe wie „Würde“ oder „Schöpfung“ konnotieren und noch zu stark klassischen Vorstellungen von Arbeit, Arbeitsorganisation und Wertschöpfung unterwerfen. Den Instrumenten fehlt daher – aus meiner persönlichen Sicht – ein wahrhaft liberaler Rahmen, der den Menschen in seiner Ganzheit in den Mittelpunkt rückt.

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