BARBARA BAUSCH

Was verstehst Du/Sie unter fairem und nachhaltigem Wirtschaften?

Vor einiger Zeit sprach man gemeinhin noch von „Umsatzsteigerung“. Inzwischen scheint dieser Begriff völlig von „Gewinnsteigerung“ abgelöst worden zu sein.

Schon hinsichtlich der Vorgabe fairen und effizienten Wettbewerbs ist Gewinnsteigerung weder unendlich noch unter fairen Methoden dauerhaft realisierbar. Die Begriffe selbst sprechen dafür, wem Umsatz nützt und wem Gewinn. Weder Nachhaltigkeit noch Fairness kann meines Erachtens unter diesem Bestreben gegeben sein. Weder ökonomisch, noch ökologisch oder sozial.

Da es einfacher ist, Negativbeispiele zu finden, wäre an der Stelle unter anderem der rasant wachsende Wohnungsbau zu Spekulationszwecken zu nennen: Millionen von leerstehenden Behausungen, ebenso viele Wohnungssuchende, die die Kosten dafür nicht aufbringen können, und die Gleichgültigkeit derer, deren Interesse mitnichten darin, liegt, Menschen ein Dach über den Kopf zu bauen, sondern vielmehr, Gewinne daraus zu erzielen.

Was das – nebenbei – mit der Umwelt macht, liegt auf der Hand und hat mit Nachhaltigkeit im ökologischen Sinne ebenfalls nichts mehr zu tun.

Nachhaltiges Wirtschaften impliziert in meinen Augen verantwortungsvolle Weitsicht über die eigene Generation hinaus: Was funktioniert (evtl. in leicht abgewandelter und/oder verbesserter Form) in 50 Jahren noch genauso? Was für Ressourcen werden benötigt und sind diese in 50 Jahren noch im selben Umfang vorhanden, ohne die Menschheit ihrer Grundlagen zu berauben? Kann die nötige Arbeit folgenlos über mehrere Jahre geleistet werden und welche Voraussetzung ist dafür notwendig? Wenn wir als Entscheidungsträger abdanken, was hinterlassen wir der nächsten Generation?

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Respekt.

Respekt gegenüber den Ressourcen, die jedes Glied einer Wertschöpfungskette zum großen Ganzen beiträgt.

Gälte das, wäre „Fair Trade“ kein Gütesiegel, sondern Standard, müssten Angestellte vieler Betriebe nach einer 40-Stunden-Woche plus Überstunden nicht „aufstocken“, würden Zugeständnisse nicht über die Köpfe derer hinweg gemacht, die sie letztlich leisten müssen und stünde unsere Umwelt nicht kurz vor dem Kollaps.

Gibt es aus Deiner/Ihrer Sicht schon positive Beispiele?

Diverse Start-Ups, die qualitativ hochwertige und weitestgehend „faire Produkte“ auf den Markt bringen und deren Güte sie mit „Lebenslange Garantie“ besiegeln, sind ein Hoffnungsschimmer, der sich hoffentlich weiter fortsetzt.

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