KAY BOMMER

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Ich halte das in jüngerer Zeit häufiger anzutreffende Synonym ‚enkelgerecht‘ für eine sehr treffende Beschreibung von ‚nachhaltig‘. Insoweit verstehe unter nachhaltigem Wirtschaften ein solches Handeln, das die Chancen nachfolgender Generationen nicht mindert.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Es widerstrebt mir, menschliche Bedürfnisse nach Wichtigkeit zu ordnen. Dazu sind diese naturgemäß zu vielfältig und von Mensch zu Mensch zu unterschiedlich. Sowohl die Aussage, dass ‚Wirtschaft nicht alles ist, aber ohne Wirtschaft alles Nichts‘, als auch die Erkenntnis, dass ‚man Geld nicht Essen kann‘ haben einen wahren Kern und ihre Legitimation. Die Erfüllung von Bedürfnissen des einen können den Bedürfnissen anderer widersprechen.

Letztlich geht es immer um eine Abwägung unterschiedlicher Bedürfnisse. Wichtig ist es, dass individuelle Grund- und erst recht Existenzbedürfnisse nicht einem beliebigen wirtschaftlichen Erfolg untergeordnet werden dürfen.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Bei der Vielzahl von Beispielen nicht-nachhaltigen Wirtschaftens darf nicht übersehen werden, dass der überwiegende Teil menschlichen Wirtschaftens auch nachfolgenden Generationen zu Gute kommt. Jegliche Aufzählung von Beispielen kann zwangsläufig nur ein unvollständiges Bild abliefern. Daher hier nur drei Beispiele aus den Bereichen Ecological, Social und Governance (ESG):

  • Wenn die Entwicklung batteriebetriebener Kraftfahrzeuge vorangetrieben wird, so schafft dies nachhaltigen Wert auch für folgende Generationen, auch wenn die Produktion von Batterien ökologisch nicht unbedenklich ist.

  • Die in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Ländern stark verbesserte Arbeitssicherheit (Unfallverhütung, Absicherung u.a.) dient nicht nur den betroffenen Individuen, sondern führt auch wirtschaftlich zu einem nachhaltigeren Ergebnis.

  • Die Ablehnung und Bekämpfung von Korruption ist (zumindest hierzulande) gesellschaftlicher Konsens und durch rechtliche Vorgaben untermauert. Das war nicht immer so: Vor nicht allzu langer Zeit konnte man Bestechungsgelder noch steuerlich absetzen. Heute ist ein derartiges Verhalten strafbewährt.

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