INA BÖTTCHER

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für mich, dass wir auch an das Morgen denken. Der ökologische Aspekt muss einen höheren Stellenwert als der schnelle Gewinn haben und „Nachhaltigkeit“ darf in Unternehmen nicht nur als eine schicke, medienwirksame Worthülse missbraucht werden. Gerade in der Wirtschaft gelingt Nachhaltigkeit auch wirklich zu leben nur, wenn entsprechende Kompetenzen in den Führungsstrukturen und Entscheidungsprozessen verankert sind. Es geht nicht darum, wie Gewinne nachhaltig verwendet werden, sondern wie Umsätze und Gewinne nachhaltig erzielt werden: umweltverträglich und sozial verantwortlich. Ich glaube, dafür bedarf es aber noch ein viel breiteres gesellschaftliches Bewusstsein. Voraussetzung für nachhaltige Entscheidungen ist es auch, sich über die eigenen ethischen Wertmaßstäbe klar zu werden. Ethisch Handeln im Wettbewerb heißt, nach ausgewogenen und fairen Lösungen zu suchen. Und Fairness bedeutet, nicht nur sich als Handelnden zu sehen, sondern immer sein Gegenüber mit in seine Handlungen einzubeziehen. Das Gute: Jeder einzelne von uns kann etwas tun und mit seinem Handeln Vorbild für andere sein.

 Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Moderne Forschungen haben ergeben, dass das Ziel allen menschlichen Strebens erfüllende Beziehungen sind. Es gibt keine stärkere Motivation, keine stärkere Antriebskraft für den Menschen. Wir sind hochgradig abhängige Sozialwesen. Die logische Schlussfolgerung für die Welt des Wirtschaftens wäre, dass Wirtschaftsbeziehungen soziale und ökologische Beziehungen stärken sollten. Belohnt wird, wer Vertrauen aufbaut, erfolgreiche Kooperationen schmiedet, Schwächeren hilft und mit der Natur arbeitet. Auch wenn die einzelnen Bedürfnisse von Mensch zu Mensch im Detail sehr verschieden sind, wären wir mit diesem Wissen und Bewusstsein auf einem guten Weg.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Es gibt kein Patentrezept für nachhaltiges Wirtschaften. Aber eine Voraussetzung haben alle Unternehmen gemeinsam, die nachhaltig und verantwortlich wirtschaften: die Bereitschaft angesichts komplexer Zusammenhänge, über den Tellerrand zu schauen und sich auf andere, neue Perspektiven einzulassen. Das ist manchmal sehr mühsam, aber wenn der Wille da ist, kann es sehr gut funktionieren.

Gute Beispiele sind Fair-Trade- Unternehmen wie die Fairhandelsgenossenschaft dwp. Oder konkret: die Neumarkter Lammsbräu, die vor Jahren auf Biobier umsattelte und gegen den Markttrend wächst. Alle Entwicklungen werden seit 1992 in jährlichen Nachhaltigkeitsberichten dokumentiert.

Ein weiteres positives Beispiel ist der niederländische Teppichfliesenhersteller Dasso. Er hat auf abfallfreies Wirtschaften nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip umgestellt.

Es gibt einige Unternehmen, die Mut machen.

 

 

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