DR. NARGESS ESKANDARI-GRÜNBERG

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Nachhaltiges Wirtschaften heißt, sich an den Kriterien der sozialen Gerechtigkeit und der Verantwortung gegenüber der Umwelt und unseren natürlichen Lebensbedingungen zu orientieren. Das gilt nicht nur für das eigene Land, sondern auch für die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die Lebensbedingungen der Menschen in anderen Ländern, besonders natürlich in den Entwicklungsländern. Nachhaltiges Wirtschaften muss auch immer die Auswirkungen der eigenen Entscheidungen auf zukünftige Generationen im Blick haben: in sozialer, ökologischer und finanzieller Hinsicht. Sonst kann es keine Generationengerechtigkeit geben. Für die Weltwirtschaft resultiert daraus die Forderung, die Globalisierung gerecht zu gestalten.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das Bedürfnis nach Freiheit und das Bedürfnis nach sozialer Sicherung. Wirtschaftliche Tätigkeit ist Ausdruck von Freiheit. Wir entscheiden uns, ein Unternehmen zu gründen oder einen bestimmten Beruf auszuüben. Das ist die eine Seite. Wir wissen aber auch, dass die Chancen, dies zu tun, nicht gerecht in der Gesellschaft verteilt sind und nicht jeder Mensch wirtschaftlich erfolgreich sein kann . Deshalb müssen Staat und Gesellschaft diese Menschen unterstützen. Wer nicht sozial abgesichert ist, ist nicht wirklich frei.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Für mich ist die soziale Marktwirtschaft, wie wir sie in der Bundesrepublik haben, ein grundsätzlich gutes Modell, weil es Freiheit gewährt und soziale Absicherung vorsieht. Ich denke aber auch, dass wir von dem Modell einer wirklichen Chancengerechtigkeit noch weit entfernt sind. Das sieht man auch in Frankfurt an den unterschiedlichen sozialen Milieus in den Frankfurter Stadtteilen, am Zugang zum Arbeitsmarkt und an den ungleich verteilten Chancen auf eine gute schulische und berufliche Bildung. Als Oberbürgermeisterin werde ich die Politik fortsetzen, die ich als Integrationsdezernentin über Jahre verfolgt habe: mehr Chancengerechtigkeit für alle Frankfurterinnen und Frankfurter.

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