MARA TAYLOR, PHD

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Nachhaltiges Wirtschaften heißt für mich, Prioritäten zu setzen, die über den eigenen Gewinn hinausgehen. Unternehmen, Institute und Regierungen müssen sich dafür einsetzen, die akuten Ungleichheiten in der globalen Wirtschaft auszugleichen; die bestehende und sich täglich verschlimmernde Umweltkrise zu verstehen und zu bewältigen und für die faire und gleiche Behandlung aller Menschen zu kämpfen. Dabei gilt es unseren Erdball und seine vielfältigen Ressourcen und Menschen nie zu vergessen. Das bedeutet auch, und dieser Punkt ist vielleicht am wichtigsten, Zusammenarbeit anzustreben und dabei Grenzen zu überschreiten – staatliche, industrielle und fachliche Grenzen. Umwelt ist eine globale Angelegenheit – so auch die Grundsicherung menschlicher Bedürfnisse. Daher haben wir eine globale Verantwortung, diese Punkte gemeinsam anzugehen, um die jetzige Lage nachhaltig zu verbessern.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Wenn man von menschlichen Bedürfnissen spricht, vergisst man allzu oft die sogenannten höheren Bedürfnisse. Natürlich müssen erst die physiologischen und sozialen Bedürfnisse sowie die Sicherheitsbedürfnisse des Menschen auf der ganzen Welt Berücksichtigung finden– was leider nicht immer selbstverständlich ist. Aber damit ist es längst nicht genug. Unternehmen und Regierungen sollten ebenfalls die menschlichen Bedürfnisse in Betracht ziehen, die zur Selbstverwirklichung und Zufriedenheit beitragen, wie z.B. Gewissheit, Abwechslung, Liebe, Wachstum und Mitwirkung. Wir müssen uns wiederholt fragen, wie wir es Menschen ermöglichen können, ihr ganzes Potenzial auszuschöpfen und wie wir ihnen Raum dafür geben können, zu wachsen und ihrem eigenen Leben eine tiefgreifendere Bedeutung beizumessen.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Als Amerikanerin bin ich immer wieder sehr von der Fortschrittlichkeit in puncto nachhaltiges Wirtschaften hier in Europa begeistert. Im Vergleich zu meinem Heimatland sind einige europäische Länder der USA weit voraus. In Deutschland, zum Beispiel, ist es die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, der Umweltschutz oder die Asylpolitik. In einigen niederländischen Städten, z.B. Utrecht, wird derzeit das Konzept des Grundeinkommens erprobt. In Schweden sind Väter explizit gefragt, die Elternzeit zu 50% mit der Frau zu teilen. Natürlich ist nicht alles in Europa perfekt, aber diese Beispiele von Ländern, die in ihre Bevölkerung investieren, um dadurch ihren Erhalt nachhaltig zu sichern, geben mir Hoffnung für die Zukunft.

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