OLIVER BRANDL

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Darunter versteh ich zunächst etwas unkonkret konkretes: Dass nämlich eine Aktion auf langfristige Wirkung ausgerichtet ist. Das bedeutet, dass sie ohne Effekte, sondern mit Substanz kommen muss. Und damit sagt sie „Nein“ zu Kurzfristigkeit.
Das entscheidende ist aber die Wirkung! Ich formuliere mal so: Wird Planet Erde als Bühne der Aktion nachhaltig beschädigt oder steht sie auch morgen noch unbeschädigt zur Verfügung?
Ich plädiere für letzteres. Denn der wirtschaftende Mensch hat Flora und Fauna bereits dermaßen zugesetzt, dass die Selbstheilungskraft der natürlichen Systeme gar nicht hinterherkommen kann. Der WWF etwa kann ziemlich genau nachweisen, dass die Menschheit eigentlich seit den 70er Jahren den Planeten deutlich übernutzt.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen und nach meiner Erfahrung treten die besten, weil nachhaltig erfolgreichen Ergebnisse dann zutage, wenn ein Team hinter einer Leistung steht. Sicher, es gibt Visionäre und erfolgreiche Einzelkämpfer, aber in den meisten Büros, auf den meisten Baustellen, an den meisten Arbeitsplätzen arbeiten viele Menschen dann erfolgreich, wenn sie sich einbringen können. Kurz: Ich halte das Bedürfnis nach Anerkennung für wichtig. Wer anerkannt wird, fühlt sich wertgeschätzt und entwickelt eine höhere intrinsische Motivation als der gebeutelte und nicht gehörte Mitarbeiter.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Ich bin ganz angetan von der Arbeit in Mehrgenerationenhäusern. Da, wo Jung und Alt aufeinandertreffen kommt es zu Anerkennung und Austausch. Die Kinder lernen von den Älteren Spiele, Geschichten und profitieren von deren Erfahrungen. Und die Älteren kommen unter junge Menschen, haben eine Aufgabe, bekommen frischen Input und werden nicht auf den sprichwörtlichen Abstellgleisen geparkt. Das ist doch mal nachhaltig.

Und ein weiteres positives Beispiel für Nachhaltigkeit sehe ich in einer Ernährungsform, die auf wenig oder auf hochwertiges Fleisch setzt. Auch wenn ich kein bekennender Veganer/Vegetatier bin, weiß ich um die Zerstörungskraft, die in der Herstellung von Fleisch liegt. Länder wie Deutschland können den Ressourcenbedarf an Fläche für Futtermittelanbau gar nicht Zuhause decken; für den Sojaanbau in Südamerika werden empfindliche Ökosysteme geopfert und Regenwald gerodet und das Soja landet dann als Energiefutter in deutschen Ställen. – Weniger ist mehr: das Oxymoron gilt auch Fleisch.

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