DARIA CZARLINSKA

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Ursprünglich stammt der Begriff der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft. Carl von Carlowitz prägte den Begriff bereits um 1700, als die Ressource Holz knapp wurde. Er kritisierte den kurzfristigen Gewinn und Raubbau auf Kosten unserer endlichen Ressourcen und der kommenden Generation. Diese Kritik teile ich voll und ganz. Nachhaltiges Wirtschaften ist weniger der Ehrgeiz Unternehmen langfristig mit hohen Gewinnen auf dem Aktienmarkt zu halten. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für mich, die Natur als unsere Lebensgrundlage zu respektieren und sie immer in die Bilanz einzukalkulieren. Die Fragen: Was hallt nach, wenn ich nicht mehr da bin? Was möchte ich der Welt hinterlassen?, sind wesentlich, um für mich persönlich ein Gefühl von Sinnhaftigkeit zu erleben. Letztlich ist es für uns alle eine Übung mehr im Kategorischen Imperativ zu leben und uns bewusst zu machen: Die Natur kann ohne uns, wir aber nicht ohne sie!

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das größte Bedürfnis ist Überleben und damit auch eine intakte Natur. Ohne saubere Meere, und gesunde Ökosysteme, ohne saubere Luft geht nix mehr. Wir Menschen haben eine ganz kleine Kompfortzone, was die Temperatur anbelangt. Das sind 36,6 bis 37 Grad .Ein Grad mehr und wir sind krank. Dem Planeten geht es ähnlich, wir wollen es nur nicht sehen. Wir kennen es alle: Wenn wir krank sind, ist das Leben nicht lebenswert. Krank kann man nicht mehr viel wirtschaften, außer vielleicht man macht aus der Krankheit ein Geschäft.

Ein weiteres wichtiges Bedürfnis sind unsere Beziehungen. Wir wollen dazugehören, einen Platz in der Gesellschaft einnehmen. Wenn wir ständig gegeneinander sind, statt co-kreativ zu sein, werden wir krank. Unser Markt, unsere Unternehmen, unsere Unternehmenskulturen sind viel zu sehr von Angst geprägt: Mangel- und Konkurrenzdenken dominieren oft dort, wo unter der Oberfläche doch so viel Kreativität schlummert. Diese zu aktivieren ist mir persönlich ein großes Bedürfnis. So können Fülle- und Synergien entstehen, sowohl zwischen jungen und alten Mitarbeitern, Eltern und Singles, Frauen und Männern als auch allen scheinbar miteinander konkurrierenden Gruppen.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Ja, zum Glück. Wenn ich z.B. auf die GLS Bank schaue, bei der ich Mitglied bin, habe ich ein gutes Gefühl. Beide oben genannten Bedürfnisse spielen in der Unternehmensphilosophie eine entscheidende Rolle. Dank der Drogeriekette DM wird einem deutlich, dass sich gute Werte wie Nachhaltigkeit und eine menschliche Unternehmenskultur auf Kopf- und Herzhöhe durchsetzen können. Christian Felber aus der Gemeinwohlökonomie Bewegung, Götz Werner, Gründer von DM oder der Neurobiologe und Autor Gerald Hüther, sowie die Fair Trade Town Bewegung und viele viele andere kluge Quer- und Vordenker, im globalen und lokalen Kontext tragen dazu bei, dass sich das Bewusstsein für wirkliche Nachhaltigkeit in unserer Gesellschaft erhöht.

Dafür bin ich dankbar.

http://www.dariaczarlinska.com

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