MATHIAS LUFT

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Nachhaltigkeit bedeutet für mich, dass am Ende ein Ausgleich von Ressourcen steht. Sprich, dass das, was ich zum Herstellen eines Produkts oder Erbringen einer Leistung benötigt wird, am Ende zurückgeben wird. Da wir heute in einer Gesellschaft leben, die vorrangig Dienstleistungen erbringt und immer weniger tatsächlich produziert (wobei auch Dienstleistungen produktiv sind), bedeutet es, dass die Ressource Mensch, die für die Erbringung der Dienstleistung benötigt wird, nicht verbraucht, sondern sorgfältig darauf geachtet wird einen Ausgleich zu bieten. Sei es durch entsprechende Urlaubsregeln, flexible Arbeitszeiten, Vertrauensarbeitszeit oder andere Methoden, die dem Mitarbeiter, ergo dem Mensch, helfen seine Kreativität zu behalten und ihn/sie davor bewahrt ausgebrannt zu werden. Gerade heute habe ich ein Interview von Michael Bublé gehört, der sagte, dass nur jemand, der ein glückliches Privatleben führt, auch ein glückliches Berufsleben haben kann. Genau diese Einsicht fehlt meiner Ansicht und Erfahrung nach noch in vielen Betrieben (und bei vielen Führungskräften), meiner Meinung nach besonders häufig in kleinen sowie in familiengeführten Betrieben.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das Bedürfnis nach einer sozialen Gemeinschaft. Immer mehr geht es in der heutigen Gesellschaft um die einzelne Person. “Ich” ist ein viel benutztes Wort, bereits bei Kindern. Unsere Kinder sollen in der Schule bereits lernen alleine klar zu kommen, das Vertrauen auf andere wird einem abgewöhnt, die enttäuschen ja nur, und so weiter. Hat der Mensch in der Wirtschaft, sprich: bei der Arbeitsstätte, keine soziale Gemeinschaft, verringert das nicht nur die Motivation und Produktivität, sondern zudem seine Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber. Mit einem positiven sozialen Umfeld in der Wirtschaft steht automatisch nicht mehr nur die Frage nach dem persönlichen Gewinn bei einem Wechsel im Vordergrund, sondern auch die nach dem Wohlergehen der Kollegen. Auch die Motivation der Menschen wird durch ein gutes, soziales Umfeld erhöht. Der Mensch kommt gerne zur Arbeit, nicht nur, weil er/sie Freude an der Tätigkeit hat, sondern auch an und wegen der Interaktion mit den Kollegen. Dafür müssen aber die Rahmenbedingungen gegeben sein: Ein Café oder Lounge Bereich, der dazu einlädt sich mit Kollegen zusammen zu setzen und eine Firmenkultur, die eine gemeinsame Pause der Kollegen nicht als Zeit- oder Produktivitätsverlust sieht, sondern als Gewinn. Denn durch diese Gespräche kommen oft auch neue, themenübergreifende Ideen auf.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Natürlich gibt es diese bereits, auch in größerer Menge und gefühlt immer mehr werdend. Unternehmenskulturen befinden sich im Wandel, gerade weil immer mehr Produktivität durch den Dienstleistungssektor erzeugt wird. Gerade dieser Wandel stellt viele Firmen aber gleichzeitig vor große Herausforderungen, die es in den nächsten Jahren zu meistern gilt. Diese Herausforderung kann am besten durch eine Starke Beteiligung aller Menschen in der Wirtschaft gemeistert werden. Es wird uns nicht weiterhelfen, wenn wenige entscheiden, wie eine zukünftige Unternehmenskultur aussehen kann, da Entscheidungen ohne Partizipation immer deutlicher schwieriger akzeptiert werden. Das sollte uns die Geschichte bereits klar und deutlich gelehrt haben.

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