KIM STROINSKI

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Die wesentlichen Spielräume der Nachhaltigkeit sind die ökonomische, die ökologische und soziale Nachhaltigkeit.

Im Zentrum steht das verantwortliche Handeln unter Berücksichtigung aller Anspruchspersonen; denn nur wer die Bedürfnisse seiner Interessengruppen kennt und berücksichtigt, kann langfristig profitieren.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Die Liebe zu leben und damit die Verbundenheit zur Zivilisation, das heißt Rücksicht nehmen auf die Zukunft mit einem gewissen Maß nachhaltigen Verhaltens von Mensch und Unternehmen.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Alle Generationen, alle Menschen stehen in der Verantwortung, heute so zu agieren, dass auch künftige Generationen noch eine lebenswerte und intakte Umwelt vorfinden. Der Mensch und die Unternehmen müssen umdenken und Verantwortung nicht nur für die Zukunft des Unternehmens, sondern für ein nachhaltiges Wirtschaften übernehmen, damit mittelfristig auch die folgenden Generationen am Erfolg teilhaben können. Der größte Handlungsbedarf besteht dort, wo ohne aktive Verhaltens- und Prozessänderungen begrenzte natürliche Ressourcen verbraucht werden und die Auswirkungen auf nachfolgende Generationen nicht mit bedacht werden.

Ich meine, wir stehen erst am Anfang, erst im Beginn zu verändern oder Veränderungen nachhaltig beizufügen. Wir sind gut beraten stetig laufende Prozesse, gewohnte Abläufe, unser übliches Verhalten zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen oder nachhaltig zu optimieren.

Damit es Zukunft in der Zukunft gibt!

DR. JÖRG BÖTTCHER

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Nachhaltiges Wirtschaften meint Wirtschaften, das die Möglichkeiten zukünftiger Generationen aus ökologischer, ökonomischer und sozialer Sicht nicht gegenüber den Möglichkeiten der heutigen Generation einschränkt.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Wirtschaften bedeutet die Abstimmung des Möglichen (was habe ich an Wünschen?) mit den – im Prinzip – unbegrenzten Bedürfnissen des Menschen. Insofern ist Wirtschaften ein Mittel und eine notwendige Voraussetzung, um menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. Man kann sich sicher Gedanken dazu machen, wie man Wirtschaften organisieren will: Die ökonomische Theorie sagt, dass eine dezentrale Organisation des Wirtschaftens pareto-optimal ist und das Wettbewerbsprinzip auch eine dynamische Effizienz der Märkte garantiert. Es belieben meines Erachtens zwei Themen offen: Das erste Thema ist der bewusste und pflegliche Umgang mit unserer Umwelt, der über geeignete staatliche Eingriffe aber auch gemanagt werden kann. Und das zweite Thema ist das der Verteilungsgerechtigkeit – dies kann auch nur durch staatliche Vorgaben gelöst werden. Die Aufgabe von wettbewerblich organisierten Märkten ist, die Bedürfnisse der Menschen effizient zu koordinieren. Wenn man Werturteile durchsetzen will, ist letztlich immer eine staatliche Ebene angesprochen.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Hinsichtlich der Organisation des Wirtschaftens schien mir das Modell der „Sozialen Marktwirtschaft“ zu seiner Zeit sinnvoll zu sein, also das Prinzip der Organisation der marktlichen Koordination mit dem des sozialen Ausgleichs zu verbinden. In Zeiten der Globalisierung muss dieses Konzept erweitert werden.