JULIA PANZER

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Ein Wirtschaften das langfristig funktioniert.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Wenn die eigene Existenz und die der Familie gesichert ist.

Gibt es aus deiner Sicht schon positive Beispiele?

Das Cradle-to-Cradle (C2C) Prinzip.

Hierbei befinden sich die Rohstoffe von Produkten in einem natürlichen oder geschlossenem Kreislauf und es werden keine Abfallprodukte produziert.

Zum Beispiel eine Waschmaschine würde vom Hersteller an den Verbraucher „vermietet“ und wenn sie ausgedient hat, holt der Hersteller sich die Waschmaschine und die darin verwendeten Rohstoffe wieder zurück, repariert sie/ baut eine neue daraus und erschafft ein neues Produkt ohne Qualitätsverlust (eine Waschmaschine wird zu einer Waschmaschine recycelt).

MICHAEL GREZA

Was verstehst du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Nachhaltiges Wirtschaften sollte zwei Aspekte berücksichtigen. Einerseits sollte sichergestellt sein, dass künftige Generationen den gleichen Zugang zu Ressourcen haben, wie es zum gegenwärtigen Zeitpunkt möglich ist, sprich: Ressourcen-, Klima- und Artenschutz müssen gewährleistet sein. Zum anderen soll ein fairer Umgang sowohl zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern als auch zu Zulieferern und Kunden den Erhalt eines beständigen und gesunden Unternehmens ermöglichen.

Was ist das wichtigste Grundbedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Es ist elementar, dass die Existenz jedes Menschen gesichert ist und der Arbeitgeber dies durch eine der Arbeit angemessene Bezahlung ermöglicht. Benachteiligte Menschen müssen gemeinsam von Staat und Wirtschaft gefördert werden, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Es gibt immer mehr Betriebe, die auf die Wahl ihrer Zulieferer oder die Produktionsbedingungen achten, um Umweltschäden gering zu halten oder diese zumindest auszugleichen. Obwohl natürlich noch in vielen Bereichen starke Verbesserungen nötig sind, befindet sich Rewe als großer Lebensmittelhändler auf einem guten Weg zu einem nachhaltigeren Wirtschaften.

Auch der Ruf nach besseren Arbeitsbedingungen und fairer Bezahlung wird von vielen Unternehmen auf der Suche nach Fachkräften gehört. Familienfreundliche Modelle sind auf dem Vormarsch und das Potential integrativer Unternehmen wie auticon wird langsam entdeckt.

Viele junge Unternehmen zeigen Möglichkeiten auf und gehen voran, jedoch ist die Dringlichkeit eines Umdenkens durch Klimawandel und zunehmend unausgewogener Vermögensverteilung größer, als der momentan tatsächlich stattfindende Wandel.

KAY BOMMER

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Ich halte das in jüngerer Zeit häufiger anzutreffende Synonym ‚enkelgerecht‘ für eine sehr treffende Beschreibung von ‚nachhaltig‘. Insoweit verstehe unter nachhaltigem Wirtschaften ein solches Handeln, das die Chancen nachfolgender Generationen nicht mindert.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Es widerstrebt mir, menschliche Bedürfnisse nach Wichtigkeit zu ordnen. Dazu sind diese naturgemäß zu vielfältig und von Mensch zu Mensch zu unterschiedlich. Sowohl die Aussage, dass ‚Wirtschaft nicht alles ist, aber ohne Wirtschaft alles Nichts‘, als auch die Erkenntnis, dass ‚man Geld nicht Essen kann‘ haben einen wahren Kern und ihre Legitimation. Die Erfüllung von Bedürfnissen des einen können den Bedürfnissen anderer widersprechen.

Letztlich geht es immer um eine Abwägung unterschiedlicher Bedürfnisse. Wichtig ist es, dass individuelle Grund- und erst recht Existenzbedürfnisse nicht einem beliebigen wirtschaftlichen Erfolg untergeordnet werden dürfen.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Bei der Vielzahl von Beispielen nicht-nachhaltigen Wirtschaftens darf nicht übersehen werden, dass der überwiegende Teil menschlichen Wirtschaftens auch nachfolgenden Generationen zu Gute kommt. Jegliche Aufzählung von Beispielen kann zwangsläufig nur ein unvollständiges Bild abliefern. Daher hier nur drei Beispiele aus den Bereichen Ecological, Social und Governance (ESG):

  • Wenn die Entwicklung batteriebetriebener Kraftfahrzeuge vorangetrieben wird, so schafft dies nachhaltigen Wert auch für folgende Generationen, auch wenn die Produktion von Batterien ökologisch nicht unbedenklich ist.

  • Die in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Ländern stark verbesserte Arbeitssicherheit (Unfallverhütung, Absicherung u.a.) dient nicht nur den betroffenen Individuen, sondern führt auch wirtschaftlich zu einem nachhaltigeren Ergebnis.

  • Die Ablehnung und Bekämpfung von Korruption ist (zumindest hierzulande) gesellschaftlicher Konsens und durch rechtliche Vorgaben untermauert. Das war nicht immer so: Vor nicht allzu langer Zeit konnte man Bestechungsgelder noch steuerlich absetzen. Heute ist ein derartiges Verhalten strafbewährt.