JULIA PANZER

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Ein Wirtschaften das langfristig funktioniert.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Wenn die eigene Existenz und die der Familie gesichert ist.

Gibt es aus deiner Sicht schon positive Beispiele?

Das Cradle-to-Cradle (C2C) Prinzip.

Hierbei befinden sich die Rohstoffe von Produkten in einem natürlichen oder geschlossenem Kreislauf und es werden keine Abfallprodukte produziert.

Zum Beispiel eine Waschmaschine würde vom Hersteller an den Verbraucher „vermietet“ und wenn sie ausgedient hat, holt der Hersteller sich die Waschmaschine und die darin verwendeten Rohstoffe wieder zurück, repariert sie/ baut eine neue daraus und erschafft ein neues Produkt ohne Qualitätsverlust (eine Waschmaschine wird zu einer Waschmaschine recycelt).

DR. SIMON VOGT

Was verstehst du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Auch auf sich ändernde technische, politische, soziale und naturgesetzliche Rahmenbedingungen vorbereitet zu sein. Und trotzdem so zu wirtschaften dass auf Dauer die eigene Existenz und die Existenz der eigenen und anderer Spezies fortgeführt werden kann.

Im Kleineren bedeutet das auch die Ermöglichung sozialer Teilhabe und Förderung menschlicher Kreativität, um aus möglichst vielen klugen Köpfen einige gute Ideen zu unserem (indirekten) Fortbestand zu erhalten. Dies können auch Ideen zur Arbeitserleichterung sein, durch die mehr Zeit für kreatives Denken Anderer frei wird während deren Grundbedürfnisse weiterhin befriedigt werden.

Dazu gehört auch gerade die Schaffung von Räumen individueller freier Entfaltung, da persönliche Freiheit eine der Grundvoraussetzungen für neue soziale, politische, technische Antworten ist, um auf eine sich ständig verändernde Welt reagieren zu können. Für ein Wirtschaftsunternehmen ergibt sich daraus auch die Anforderung, Arbeitnehmern einen größeren Anteil an kreativem Handeln und Ausprobieren zu ermöglichen, da rein mechanische (Geistes-)Arbeit in naher Zukunft eh leicht durch Maschinen durchgeführt werden kann.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das menschliche Grundbedürfnis nach sozialer Teilhabe und Gerechtigkeit.

Es gibt ein bezeichnendes Video bei dem das Gerechtigkeitsempfinden von Kapuzineraffen demonstriert wird (https://www.youtube.com/watch?v=lKhAd0Tyny0). Ähnliche Tests führen auch bei Menschen regelmäßig zu ähnlichen Ergebnissen. Leider lässt sich das menschliche Gerechtigkeitsempfinden leicht verwirren und daher oft auch für ungerechte Zwecke mißbrauchen. Doch kann man dessen grundlegende Existenz schwer leugnen. Zwar gilt unterschiedliche Vergütung für gleiche Arbeit allgemein als ungerecht und damit inzwischen als nicht erstrebenswert, doch ist es eine weitaus umstrittenere Frage wie unterschiedliche Arbeit vergütet bzw. wie die Vergütung gestaffelt sein soll.

Das Streben nach sozialer Teilhabe äußert sich oft auch im Streben nach sozialem Status. Da dies eine starke Motivation für die punktuelle Konzentration von Vergütung und Entscheidungsfreiheit ist, läuft dies leicht einem gesellschaftlichen Gerechtigkeitsempfinden entgegen. Unterschiedliche Gesellschaften haben hier unterschiedliche Abwägungen gefunden. Wenn sozialer Status besonders stark an finanzielle Vergütung gekoppelt ist, scheinen Gesellschaften leicht in eine soziale Schieflage zu geraten und damit nicht mehr fortbestehen zu können, während eine Gesellschaft, in der bessere/geschicktere Produktivität gar nicht zu einer Verbesserung des sozialen Status führt, als Ganzes wohl leicht ineffektiv wird und damit ebenfalls nicht nachhaltig ist.

Aus diesen Binsenweisheiten ergibt sich für mich die Forderung, dass die Staffelung von Vergütung mindestens transparent organisiert sein soll, damit eine Gesellschaft für sich eine wohlinformierte Abwägung zwischen Vergütungsstaffelung und Gerechtigkeitsempfinden setzen kann. Wenn tatsächlich in mittlerer Zukunft ein großer Teil unserer physiologischen Grundbedürfnisse durch Maschinen erfüllt werden kann, wird wohl eine Neudefinition von sozialem Status und Motivation für kreative produktive Arbeit immer wichtiger werden. Vielleicht ist die immer öfter gehörte Forderung nach Förderung des Ehrenamts eine Möglichkeit, das Streben nach sozialem Status von der Verteilung materieller Vergütung zu entkoppeln. Doch da ehrenamtliches Engagement und interessengetriebene Arbeit als Messlatte für Sozialstatus sehr viel schwerer vergleichbar sind als ein Geldbetrag auf jemandes Konto, könnte dieser Übergang wohl nur langsam passieren können.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Die in mehreren Unternehmen schon praktizierte „20% Time“. Grundsätzlich scheint hier die Förderung von individueller Kreativität und unerwarteter Ideen im Vordergrund zu stehen. Wie weit die Umsetzung mit diesem Vorsatz vereint wird, hängt aber wohl noch stark vom jeweiligen Unternehmen und der umsetzenden Arbeitsgruppe ab.

Und natürlich auch die traditionellen Definitionen wie z.B. die Herstellung recyclingfähiger Produkte, der Verwendung nachwachsender und wiederverwendbarer Rohstoffe, Vermeidung von Müll und Umweltverschmutzung und Gesundheitsgefährdung, Arbeitsbedingungen die nicht zum „Burnout“ führen und dem Menschen Zeit geben, auch noch anderen Interessen als der Hauptarbeit nach zu gehen.

MICHAEL GREZA

Was verstehst du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Nachhaltiges Wirtschaften sollte zwei Aspekte berücksichtigen. Einerseits sollte sichergestellt sein, dass künftige Generationen den gleichen Zugang zu Ressourcen haben, wie es zum gegenwärtigen Zeitpunkt möglich ist, sprich: Ressourcen-, Klima- und Artenschutz müssen gewährleistet sein. Zum anderen soll ein fairer Umgang sowohl zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern als auch zu Zulieferern und Kunden den Erhalt eines beständigen und gesunden Unternehmens ermöglichen.

Was ist das wichtigste Grundbedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Es ist elementar, dass die Existenz jedes Menschen gesichert ist und der Arbeitgeber dies durch eine der Arbeit angemessene Bezahlung ermöglicht. Benachteiligte Menschen müssen gemeinsam von Staat und Wirtschaft gefördert werden, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Es gibt immer mehr Betriebe, die auf die Wahl ihrer Zulieferer oder die Produktionsbedingungen achten, um Umweltschäden gering zu halten oder diese zumindest auszugleichen. Obwohl natürlich noch in vielen Bereichen starke Verbesserungen nötig sind, befindet sich Rewe als großer Lebensmittelhändler auf einem guten Weg zu einem nachhaltigeren Wirtschaften.

Auch der Ruf nach besseren Arbeitsbedingungen und fairer Bezahlung wird von vielen Unternehmen auf der Suche nach Fachkräften gehört. Familienfreundliche Modelle sind auf dem Vormarsch und das Potential integrativer Unternehmen wie auticon wird langsam entdeckt.

Viele junge Unternehmen zeigen Möglichkeiten auf und gehen voran, jedoch ist die Dringlichkeit eines Umdenkens durch Klimawandel und zunehmend unausgewogener Vermögensverteilung größer, als der momentan tatsächlich stattfindende Wandel.

KAY BOMMER

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Ich halte das in jüngerer Zeit häufiger anzutreffende Synonym ‚enkelgerecht‘ für eine sehr treffende Beschreibung von ‚nachhaltig‘. Insoweit verstehe unter nachhaltigem Wirtschaften ein solches Handeln, das die Chancen nachfolgender Generationen nicht mindert.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Es widerstrebt mir, menschliche Bedürfnisse nach Wichtigkeit zu ordnen. Dazu sind diese naturgemäß zu vielfältig und von Mensch zu Mensch zu unterschiedlich. Sowohl die Aussage, dass ‚Wirtschaft nicht alles ist, aber ohne Wirtschaft alles Nichts‘, als auch die Erkenntnis, dass ‚man Geld nicht Essen kann‘ haben einen wahren Kern und ihre Legitimation. Die Erfüllung von Bedürfnissen des einen können den Bedürfnissen anderer widersprechen.

Letztlich geht es immer um eine Abwägung unterschiedlicher Bedürfnisse. Wichtig ist es, dass individuelle Grund- und erst recht Existenzbedürfnisse nicht einem beliebigen wirtschaftlichen Erfolg untergeordnet werden dürfen.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Bei der Vielzahl von Beispielen nicht-nachhaltigen Wirtschaftens darf nicht übersehen werden, dass der überwiegende Teil menschlichen Wirtschaftens auch nachfolgenden Generationen zu Gute kommt. Jegliche Aufzählung von Beispielen kann zwangsläufig nur ein unvollständiges Bild abliefern. Daher hier nur drei Beispiele aus den Bereichen Ecological, Social und Governance (ESG):

  • Wenn die Entwicklung batteriebetriebener Kraftfahrzeuge vorangetrieben wird, so schafft dies nachhaltigen Wert auch für folgende Generationen, auch wenn die Produktion von Batterien ökologisch nicht unbedenklich ist.

  • Die in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Ländern stark verbesserte Arbeitssicherheit (Unfallverhütung, Absicherung u.a.) dient nicht nur den betroffenen Individuen, sondern führt auch wirtschaftlich zu einem nachhaltigeren Ergebnis.

  • Die Ablehnung und Bekämpfung von Korruption ist (zumindest hierzulande) gesellschaftlicher Konsens und durch rechtliche Vorgaben untermauert. Das war nicht immer so: Vor nicht allzu langer Zeit konnte man Bestechungsgelder noch steuerlich absetzen. Heute ist ein derartiges Verhalten strafbewährt.