NICLAS SCHMITZ

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Unter nachhaltigem Wirtschaften verstehe ich in erster Linie die Sicherung der Lebensgrundlage, den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und ein gesundes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit. Das bedingt die Einbindung aller Interessenvertretungen und Beteiligten, vom Großkonzern, Politik und Staat, über Gewerkschaften und Verbänden bis zum Konsumenten. Hier muss ein Umdenken stattfinden. In diesen Prozess muss auf die (sozialen) Bedürfnisse der Menschen eingegangen und die Umwelt geschont werden. Die reine Ausrichtung einer Shareholder-Value-Strategie kann nicht das Ziel einer nachhaltigen Bewirtschaftung sein. Einen wichtigen Aspekt stellt auch die generationenübergreifende Verantwortung dar, damit die jüngere, aber auch die alternde Gesellschaft eine Zukunft für sich sieht. Nicht jeder kann sich seinen Lebensstil aussuchen und auf diese Menschen muss Rücksicht genommen werden, mit z.B. einer besseren Verteilung und einer wirklichen Chancengleichheit. Um weitere Aspekte zu nennen, kann zu einem nachhaltigen Wirtschaften ein Stück Entschleunigung sowie der Rückgriff auf saisonale und regionale Produkte einen großen Beitrag leisten. Wichtig ist, dass dieses auch in die Tat umgesetzt wird und vor allem JEDER Verbraucher einen realistischen und verständlichen Zugang (z.B. zu viele, komplizierte Label, zu hoher Preis für sozial Schwächere, Bildung für alle, um Dinge verstehen und bewerten zu können) zu diesen Ansätzen erhält. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Verbraucher die Verantwortung gänzlich abgeben kann und ein Unternehmen sollte deshalb auch nicht nur dem Selbstzweck dienen, sondern der Gesellschaft einen Mehrwert bieten.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Diese Frage lässt sich nur schwer beantworten. Generell sollten Grundbedürfnisse der Menschen Berücksichtigung finden, vor allem aber ein sicheres und faires Beschäftigungsverhältnis (bzw. überhaupt eine sinnvolle Beschäftigung) sowie die Berücksichtigung der Mitarbeiterinteressen, unter Einhaltung von CSR-Modellen (Corporate Social Responsibility). Dabei ist auch eine betriebliche und persönliche Entwicklung förderlich. Dies setzt eine kooperative, nachhaltige Führungsphilosophie (Responsible Leadership) und ein Interesse am Gemeinwohl voraus, wovon auch die Unternehmen in besonderem Maße profitieren. So kann auch wieder eine Vertrauensbrücke gebildet werden. Dabei sind essentielle Einrichtungen, wie Gewerkschaften und Betriebsrat ein gutes und notwendiges Bindeglied, vor allem zum Thema zukünftiger Arbeitszeitmodelle. Zusammenfassend denke ich, dass der Mensch wieder in den Mittelpunkt des Betriebsgeschehens gestellt werden muss.

Gibt es aus deiner Sicht schon positive Beispiele?

Das angesprochene Modell der CSR, vor allem der dreifachen Unternehmensverantwortung (sozial, ökologisch und ökonomisch) ist ein erster großer Schritt in die richtige Richtung. Genossenschaften, Sozialpartnerschaften, betriebliche Sozialeinrichtungen und Unternehmensvereine sind ebenfalls bereits bekannte Modelle, welche sich positiv hervortun, da sie mitgliederorientiert sind. Auch alternative Wohngemeinschaftsmodelle, mit gemeinschaftlichen Verbrauchs- und Nutzungsmaterialien finde ich positiv. Hier können z.B. alle Bewohner eine Werkstatt zusammen nutzen, uvm. Ein weiteres Beispiel ist auch das Teilen von Wirtschaftsgütern (Sharing Economy).

JULIA BIALEK

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Nachhaltiges Wirtschaften hat viele Dimensionen. In meiner Antwort beziehe ich mich lediglich auf nachhaltiges Wirtschaften mit Blick auf Unternehmen. Nachhaltig wirtschaftet ein Unternehmen aus meiner Sicht, wenn es einen gesellschaftlichen Mehrwert liefert und gleichzeitig Umweltaspekte in alle Überlegungen und Prozesse einbezieht. Relevant ist dabei der Zweck des Unternehmens. Warum gibt es ein Unternehmen? Und was ist die Daseinsberechtigung? Wieso braucht die Gesellschaft das Unternehmen? Ist die Output-Bilanz langfristig positiv-auch aus umwelttechnischen Aspekten. Nur wenn diese Fragen (positiv) beantwortet werden können, sind die Grundvoraussetzungen für nachhaltiges Wirtschaften erfüllt. Schlussendlich geht es auch darum, den Zweck bestmöglich zu erreichen. Bestmöglich im nachhaltigen Sinne bedeutet, Ressourcen zu nutzen, aber nicht auszubeuten. Rechtfertigt der Mehrwert zum Erreichen des Zweckes die Nutzung von natürlichen Ressourcen? Dabei geht es nicht nur darum, die Natur nicht auszubeuten. Auch andere – beispielsweise menschliche Ressourcen – sollten bestmöglich genutzt werden. Nachhaltigkeit hat meines Erachtens also viele Perspektiven, die auf die Bilanz einzahlen (zeitlich, sachlich…).

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Physiologische Bedürfnisse, wie Maslow sagen würde. 🙂 In unserer Gesellschaft und wenn ich mich auf mein persönliches Umfeld beziehe: Das Bedürfnis nach Sinn. Das Verlangen, eine Tätigkeit auszuführen, die sinnvoll ist und einem Zweck dient – so scheint es mir – wird immer größer. Warum gehe ich einer Tätigkeit nach und welchen gesellschaftlichen Nutzen hat sie? Auf wessen oder welche Kosten geht das?

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Ein positives Beispiel, das mir ad hoc einfällt ist: Armedangels.

INDRANI DAS SCHMID

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Unter nachhaltigem Wirtschaften verstehe ich, so zu wirtschaften, dass die nächste Generation oder die Umwelt keinen Schaden durch mein Handeln jetzt und in Zukunft nimmt. Dass der erwirtschafteter Gewinn sinnvoll angelegt wird, damit die nächste Generation auch in Zukunft davon profitiert. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für mich ebenfalls, sich sozial einzubringen und somit der Gesellschaft wieder etwas zurückzugeben.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Nur ein Bedürfnis? Für mich sind Wertschätzung und Respekt am wichtigsten.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Positive Beispiele sind für mich all die Sozial-UnternehmerInnen, die entweder ihren Familienbetrieb nachhaltig reorganisieren, oder von Anfang an diesen sozial-antrophosophischen Ansatz ins Geschäftsleitbild aufgenommen hatten

Beispiele: Vaude, DM, Hipp

Oder unsere Organisation: GFGZ

MATHIAS LUFT

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Nachhaltigkeit bedeutet für mich, dass am Ende ein Ausgleich von Ressourcen steht. Sprich, dass das, was ich zum Herstellen eines Produkts oder Erbringen einer Leistung benötigt wird, am Ende zurückgeben wird. Da wir heute in einer Gesellschaft leben, die vorrangig Dienstleistungen erbringt und immer weniger tatsächlich produziert (wobei auch Dienstleistungen produktiv sind), bedeutet es, dass die Ressource Mensch, die für die Erbringung der Dienstleistung benötigt wird, nicht verbraucht, sondern sorgfältig darauf geachtet wird einen Ausgleich zu bieten. Sei es durch entsprechende Urlaubsregeln, flexible Arbeitszeiten, Vertrauensarbeitszeit oder andere Methoden, die dem Mitarbeiter, ergo dem Mensch, helfen seine Kreativität zu behalten und ihn/sie davor bewahrt ausgebrannt zu werden. Gerade heute habe ich ein Interview von Michael Bublé gehört, der sagte, dass nur jemand, der ein glückliches Privatleben führt, auch ein glückliches Berufsleben haben kann. Genau diese Einsicht fehlt meiner Ansicht und Erfahrung nach noch in vielen Betrieben (und bei vielen Führungskräften), meiner Meinung nach besonders häufig in kleinen sowie in familiengeführten Betrieben.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das Bedürfnis nach einer sozialen Gemeinschaft. Immer mehr geht es in der heutigen Gesellschaft um die einzelne Person. “Ich” ist ein viel benutztes Wort, bereits bei Kindern. Unsere Kinder sollen in der Schule bereits lernen alleine klar zu kommen, das Vertrauen auf andere wird einem abgewöhnt, die enttäuschen ja nur, und so weiter. Hat der Mensch in der Wirtschaft, sprich: bei der Arbeitsstätte, keine soziale Gemeinschaft, verringert das nicht nur die Motivation und Produktivität, sondern zudem seine Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber. Mit einem positiven sozialen Umfeld in der Wirtschaft steht automatisch nicht mehr nur die Frage nach dem persönlichen Gewinn bei einem Wechsel im Vordergrund, sondern auch die nach dem Wohlergehen der Kollegen. Auch die Motivation der Menschen wird durch ein gutes, soziales Umfeld erhöht. Der Mensch kommt gerne zur Arbeit, nicht nur, weil er/sie Freude an der Tätigkeit hat, sondern auch an und wegen der Interaktion mit den Kollegen. Dafür müssen aber die Rahmenbedingungen gegeben sein: Ein Café oder Lounge Bereich, der dazu einlädt sich mit Kollegen zusammen zu setzen und eine Firmenkultur, die eine gemeinsame Pause der Kollegen nicht als Zeit- oder Produktivitätsverlust sieht, sondern als Gewinn. Denn durch diese Gespräche kommen oft auch neue, themenübergreifende Ideen auf.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Natürlich gibt es diese bereits, auch in größerer Menge und gefühlt immer mehr werdend. Unternehmenskulturen befinden sich im Wandel, gerade weil immer mehr Produktivität durch den Dienstleistungssektor erzeugt wird. Gerade dieser Wandel stellt viele Firmen aber gleichzeitig vor große Herausforderungen, die es in den nächsten Jahren zu meistern gilt. Diese Herausforderung kann am besten durch eine Starke Beteiligung aller Menschen in der Wirtschaft gemeistert werden. Es wird uns nicht weiterhelfen, wenn wenige entscheiden, wie eine zukünftige Unternehmenskultur aussehen kann, da Entscheidungen ohne Partizipation immer deutlicher schwieriger akzeptiert werden. Das sollte uns die Geschichte bereits klar und deutlich gelehrt haben.

KATHRIN BECKER

Was verstehst du unter nachhaltigem Wirtschaften?

In einem Satz: Wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verträglichkeit in Einklang zu bringen.

 

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Wichtige Bedürfnisse gibt es natürlich viele – im Zusammenhang mit nachhaltigem Wirtschaften und der Rolle des einzelnen Arbeitnehmers ist eines davon meiner Meinung nach, durch seinen Job und die daraus (unter Berücksichtigung ökonomischer und sozialer Verträglichkeit) entstehenden Produkte und Dienstleistungen die Gesellschaft ein Stück weit mit voran zu bringen.

 

Gibt es aus deiner Sicht schon positive Beispiele?

Eine Menge. Zum Teil ist nachhaltiges Wirtschaften, etwa im Sinne von Energie- und Ressourceneinsparungen, inzwischen selbstverständlich geworden. Die alt bekannte Maxime „Tue Gutes und rede darüber“ wird oft ohne den zweiten Teil gelebt – es wird viel Gutes getan, auch ohne darüber zu reden.

MARINA PLOGHAUS

Was verstehst Du/Sie  unter fairem und nachhaltigem Wirtschaften?

Ich möchte die Frage auf aktuelle wirtschaftliche Prozesse beziehen. In der Textilindustrie sehe ich wenig „faire“ Arbeitsbedingungen. Ich denke, dass wir das Thema global angehen müssen. Faire und wahrheitsgemäße Angaben zu Produkten für den Verbraucher  vermisse ich bei der Automobil-Industrie. Es wird nicht bis zum Ende der Kette gedacht! Auch das gehört zum Nachhaltigen Wirtschaften. Nicht nur schneller, höher, besser – das ständige Wachstum vor Augen, sondern auch Ressourcen- Gewinnung, – Verbrauch und Recycling  vor Augen haben.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Alle Menschen sollten ihr Auskommen haben. Es geht nicht um die Maximierung der Gewinne einzelner Personen oder Personengruppen.

Gibt es aus Deiner/Ihrer  Sicht schon positive Beispiele?

Einige Firmen bemühen sich durch CSR-Projekte einen Teil des Gewinns für die Gesellschaft einzusetzen. Aber so eine „Muster-Firma“, bei der alles „stimmt“, kenne ich nicht.

Marina Ploghaus

MARLON HASSEL

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Einen langfristig positiven Wert für Eigentümer, Mitarbeiter, Gesellschaft und Umwelt zu schaffen.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Die persönliche Freiheit zur Mitgestaltung von Unternehmensentscheidung sowie die persönliche Verantwortung für das eigene Handeln

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Siemens wurde 2017 zum nachhaltigsten Unternehmen der Welt gewählt. Mit einem breiten Portfolio aus Umwelt-, Infrastruktur- und Medizintechnologien arbeiten unsere Ingenieure täglich daran, das Leben von Millionen Menschen besser zu machen.

MARGIT MESSMER

Was verstehst Du/Sie unter nachhaltigem Wirtschaften?

Ich stimme mit der Einschätzung von Cobb / Daly[1] überein, die die Wirtschaft als ein Subsystem der menschlichen Gesellschaft sehen, die wiederum ein Subsystem der Biosphäre ist.

Naturkapital (wie Boden, Luft, Wasser, etc.) ist die unersetzliche Grundvoraussetzung für wirtschaftliche und soziale Aktivitäten. Es ist nicht durch Human- bzw. Sozialkapital zu ersetzen, da Menschen ohne saubere Luft und Wasser, ohne ein funktionierendes Ökosystem nicht überleben können und die Wirtschaft zusammenbricht.

Der Schutz der natürlichen Ressourcen sollte deshalb Vorrang vor sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit haben.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Wie oben ausgeführt, ist die Wirtschaft nur Teil der menschlichen Gesellschaft und sollte auch langfristig deren Überleben sichern, statt auf Kosten weniger privilegierter Erdenbürger und zukünftiger Generationen dieses auf‘s Spiel zu setzen. Das wichtigste menschliche Bedürfnis ist seine Lebensfähigkeit durch Sicherung seiner Grundbedürfnisse: atmen, trinken, essen.

Gibt es aus Deiner/Ihrer Sicht schon positive Beispiele?

Ja, es gibt schon viele positive Ansätze und Beispiele, die jedoch bisher eher ein Tropfen auf heißem Stein sind. Die Herausforderung liegt in der Verbreitung und Vernetzung dieser Beispiele und – was noch schwieriger ist – in der richtigen Einschätzung ihrer Vor- und Nachteile, denn der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Was für das eine Umweltmedium gut ist, kann sich fatal auf ein anderes auswirken.

Was wir vor allem brauchen ist die Infragestellung der Priorisierung von Wirtschaftswachstum um jeden Preis.

[1]     Vgl. Daly, Herman, John D. Cobb: For the Common Good. Boston 1989