ELLEN ENSLIN

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Die Wirtschaft hat als maßgeblicher Akteur in einer globalisierten Welt eine Verantwortung für die nachfolgenden Generationen und die begrenzten natürlichen Ressourcen.
Übertragen auf ein Unternehmen bedeutet Nachhaltigkeit die Verantwortung, Ressourcen effizient einzusetzen, um die Unternehmensaktivitäten sozial- und umweltverträglich kontinuierlich zu verbessern und so den ökonomischen Erfolg zu sichern.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?
Eine gesündere und lebenswertere Umwelt erhalten, denn sie bildet die Lebensgrundlage für zukünftige Generationen. Für Kunden und Partner ist Vertrauen und Transparenz wichtig, und dass Unternehmen fair, verantwortlich und ehrlich handeln. Besonders bei globalisierten Lieferketten tragen Unternehmen eine Verantwortung, unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen z. B. ihre Produkte produziert werden.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?
Natürlich! Neben den Unternehmen, bei denen Nachhaltigkeit Grundlage ihres Geschäftsmodells ist, gibt es auch „konventionelle“ Unternehmen, die sich mit Mut und Innovation auf den Weg gemacht haben, ihr Unternehmen nachhaltiger zu gestalten: z. B. das „Rinn Betonwerk“ oder die Druckerei Lokay. Rinn stellt seine Produktion auf CO2-Neutralität um und hat einen Recycling Stein entwickelt. Lokay hat schon frühzeitig seine Druckprozesse auf Nachhaltigkeit umgestellt.

NICLAS SCHMITZ

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Unter nachhaltigem Wirtschaften verstehe ich in erster Linie die Sicherung der Lebensgrundlage, den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und ein gesundes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit. Das bedingt die Einbindung aller Interessenvertretungen und Beteiligten, vom Großkonzern, Politik und Staat, über Gewerkschaften und Verbänden bis zum Konsumenten. Hier muss ein Umdenken stattfinden. In diesen Prozess muss auf die (sozialen) Bedürfnisse der Menschen eingegangen und die Umwelt geschont werden. Die reine Ausrichtung einer Shareholder-Value-Strategie kann nicht das Ziel einer nachhaltigen Bewirtschaftung sein. Einen wichtigen Aspekt stellt auch die generationenübergreifende Verantwortung dar, damit die jüngere, aber auch die alternde Gesellschaft eine Zukunft für sich sieht. Nicht jeder kann sich seinen Lebensstil aussuchen und auf diese Menschen muss Rücksicht genommen werden, mit z.B. einer besseren Verteilung und einer wirklichen Chancengleichheit. Um weitere Aspekte zu nennen, kann zu einem nachhaltigen Wirtschaften ein Stück Entschleunigung sowie der Rückgriff auf saisonale und regionale Produkte einen großen Beitrag leisten. Wichtig ist, dass dieses auch in die Tat umgesetzt wird und vor allem JEDER Verbraucher einen realistischen und verständlichen Zugang (z.B. zu viele, komplizierte Label, zu hoher Preis für sozial Schwächere, Bildung für alle, um Dinge verstehen und bewerten zu können) zu diesen Ansätzen erhält. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Verbraucher die Verantwortung gänzlich abgeben kann und ein Unternehmen sollte deshalb auch nicht nur dem Selbstzweck dienen, sondern der Gesellschaft einen Mehrwert bieten.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Diese Frage lässt sich nur schwer beantworten. Generell sollten Grundbedürfnisse der Menschen Berücksichtigung finden, vor allem aber ein sicheres und faires Beschäftigungsverhältnis (bzw. überhaupt eine sinnvolle Beschäftigung) sowie die Berücksichtigung der Mitarbeiterinteressen, unter Einhaltung von CSR-Modellen (Corporate Social Responsibility). Dabei ist auch eine betriebliche und persönliche Entwicklung förderlich. Dies setzt eine kooperative, nachhaltige Führungsphilosophie (Responsible Leadership) und ein Interesse am Gemeinwohl voraus, wovon auch die Unternehmen in besonderem Maße profitieren. So kann auch wieder eine Vertrauensbrücke gebildet werden. Dabei sind essentielle Einrichtungen, wie Gewerkschaften und Betriebsrat ein gutes und notwendiges Bindeglied, vor allem zum Thema zukünftiger Arbeitszeitmodelle. Zusammenfassend denke ich, dass der Mensch wieder in den Mittelpunkt des Betriebsgeschehens gestellt werden muss.

Gibt es aus deiner Sicht schon positive Beispiele?

Das angesprochene Modell der CSR, vor allem der dreifachen Unternehmensverantwortung (sozial, ökologisch und ökonomisch) ist ein erster großer Schritt in die richtige Richtung. Genossenschaften, Sozialpartnerschaften, betriebliche Sozialeinrichtungen und Unternehmensvereine sind ebenfalls bereits bekannte Modelle, welche sich positiv hervortun, da sie mitgliederorientiert sind. Auch alternative Wohngemeinschaftsmodelle, mit gemeinschaftlichen Verbrauchs- und Nutzungsmaterialien finde ich positiv. Hier können z.B. alle Bewohner eine Werkstatt zusammen nutzen, uvm. Ein weiteres Beispiel ist auch das Teilen von Wirtschaftsgütern (Sharing Economy).

DARIA CZARLINSKA

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Ursprünglich stammt der Begriff der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft. Carl von Carlowitz prägte den Begriff bereits um 1700, als die Ressource Holz knapp wurde. Er kritisierte den kurzfristigen Gewinn und Raubbau auf Kosten unserer endlichen Ressourcen und der kommenden Generation. Diese Kritik teile ich voll und ganz. Nachhaltiges Wirtschaften ist weniger der Ehrgeiz Unternehmen langfristig mit hohen Gewinnen auf dem Aktienmarkt zu halten. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für mich, die Natur als unsere Lebensgrundlage zu respektieren und sie immer in die Bilanz einzukalkulieren. Die Fragen: Was hallt nach, wenn ich nicht mehr da bin? Was möchte ich der Welt hinterlassen?, sind wesentlich, um für mich persönlich ein Gefühl von Sinnhaftigkeit zu erleben. Letztlich ist es für uns alle eine Übung mehr im Kategorischen Imperativ zu leben und uns bewusst zu machen: Die Natur kann ohne uns, wir aber nicht ohne sie!

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das größte Bedürfnis ist Überleben und damit auch eine intakte Natur. Ohne saubere Meere, und gesunde Ökosysteme, ohne saubere Luft geht nix mehr. Wir Menschen haben eine ganz kleine Kompfortzone, was die Temperatur anbelangt. Das sind 36,6 bis 37 Grad .Ein Grad mehr und wir sind krank. Dem Planeten geht es ähnlich, wir wollen es nur nicht sehen. Wir kennen es alle: Wenn wir krank sind, ist das Leben nicht lebenswert. Krank kann man nicht mehr viel wirtschaften, außer vielleicht man macht aus der Krankheit ein Geschäft.

Ein weiteres wichtiges Bedürfnis sind unsere Beziehungen. Wir wollen dazugehören, einen Platz in der Gesellschaft einnehmen. Wenn wir ständig gegeneinander sind, statt co-kreativ zu sein, werden wir krank. Unser Markt, unsere Unternehmen, unsere Unternehmenskulturen sind viel zu sehr von Angst geprägt: Mangel- und Konkurrenzdenken dominieren oft dort, wo unter der Oberfläche doch so viel Kreativität schlummert. Diese zu aktivieren ist mir persönlich ein großes Bedürfnis. So können Fülle- und Synergien entstehen, sowohl zwischen jungen und alten Mitarbeitern, Eltern und Singles, Frauen und Männern als auch allen scheinbar miteinander konkurrierenden Gruppen.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Ja, zum Glück. Wenn ich z.B. auf die GLS Bank schaue, bei der ich Mitglied bin, habe ich ein gutes Gefühl. Beide oben genannten Bedürfnisse spielen in der Unternehmensphilosophie eine entscheidende Rolle. Dank der Drogeriekette DM wird einem deutlich, dass sich gute Werte wie Nachhaltigkeit und eine menschliche Unternehmenskultur auf Kopf- und Herzhöhe durchsetzen können. Christian Felber aus der Gemeinwohlökonomie Bewegung, Götz Werner, Gründer von DM oder der Neurobiologe und Autor Gerald Hüther, sowie die Fair Trade Town Bewegung und viele viele andere kluge Quer- und Vordenker, im globalen und lokalen Kontext tragen dazu bei, dass sich das Bewusstsein für wirkliche Nachhaltigkeit in unserer Gesellschaft erhöht.

Dafür bin ich dankbar.

http://www.dariaczarlinska.com