JULIA BIALEK

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Nachhaltiges Wirtschaften hat viele Dimensionen. In meiner Antwort beziehe ich mich lediglich auf nachhaltiges Wirtschaften mit Blick auf Unternehmen. Nachhaltig wirtschaftet ein Unternehmen aus meiner Sicht, wenn es einen gesellschaftlichen Mehrwert liefert und gleichzeitig Umweltaspekte in alle Überlegungen und Prozesse einbezieht. Relevant ist dabei der Zweck des Unternehmens. Warum gibt es ein Unternehmen? Und was ist die Daseinsberechtigung? Wieso braucht die Gesellschaft das Unternehmen? Ist die Output-Bilanz langfristig positiv-auch aus umwelttechnischen Aspekten. Nur wenn diese Fragen (positiv) beantwortet werden können, sind die Grundvoraussetzungen für nachhaltiges Wirtschaften erfüllt. Schlussendlich geht es auch darum, den Zweck bestmöglich zu erreichen. Bestmöglich im nachhaltigen Sinne bedeutet, Ressourcen zu nutzen, aber nicht auszubeuten. Rechtfertigt der Mehrwert zum Erreichen des Zweckes die Nutzung von natürlichen Ressourcen? Dabei geht es nicht nur darum, die Natur nicht auszubeuten. Auch andere – beispielsweise menschliche Ressourcen – sollten bestmöglich genutzt werden. Nachhaltigkeit hat meines Erachtens also viele Perspektiven, die auf die Bilanz einzahlen (zeitlich, sachlich…).

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Physiologische Bedürfnisse, wie Maslow sagen würde. 🙂 In unserer Gesellschaft und wenn ich mich auf mein persönliches Umfeld beziehe: Das Bedürfnis nach Sinn. Das Verlangen, eine Tätigkeit auszuführen, die sinnvoll ist und einem Zweck dient – so scheint es mir – wird immer größer. Warum gehe ich einer Tätigkeit nach und welchen gesellschaftlichen Nutzen hat sie? Auf wessen oder welche Kosten geht das?

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Ein positives Beispiel, das mir ad hoc einfällt ist: Armedangels.

DARIA CZARLINSKA

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Ursprünglich stammt der Begriff der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft. Carl von Carlowitz prägte den Begriff bereits um 1700, als die Ressource Holz knapp wurde. Er kritisierte den kurzfristigen Gewinn und Raubbau auf Kosten unserer endlichen Ressourcen und der kommenden Generation. Diese Kritik teile ich voll und ganz. Nachhaltiges Wirtschaften ist weniger der Ehrgeiz Unternehmen langfristig mit hohen Gewinnen auf dem Aktienmarkt zu halten. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für mich, die Natur als unsere Lebensgrundlage zu respektieren und sie immer in die Bilanz einzukalkulieren. Die Fragen: Was hallt nach, wenn ich nicht mehr da bin? Was möchte ich der Welt hinterlassen?, sind wesentlich, um für mich persönlich ein Gefühl von Sinnhaftigkeit zu erleben. Letztlich ist es für uns alle eine Übung mehr im Kategorischen Imperativ zu leben und uns bewusst zu machen: Die Natur kann ohne uns, wir aber nicht ohne sie!

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das größte Bedürfnis ist Überleben und damit auch eine intakte Natur. Ohne saubere Meere, und gesunde Ökosysteme, ohne saubere Luft geht nix mehr. Wir Menschen haben eine ganz kleine Kompfortzone, was die Temperatur anbelangt. Das sind 36,6 bis 37 Grad .Ein Grad mehr und wir sind krank. Dem Planeten geht es ähnlich, wir wollen es nur nicht sehen. Wir kennen es alle: Wenn wir krank sind, ist das Leben nicht lebenswert. Krank kann man nicht mehr viel wirtschaften, außer vielleicht man macht aus der Krankheit ein Geschäft.

Ein weiteres wichtiges Bedürfnis sind unsere Beziehungen. Wir wollen dazugehören, einen Platz in der Gesellschaft einnehmen. Wenn wir ständig gegeneinander sind, statt co-kreativ zu sein, werden wir krank. Unser Markt, unsere Unternehmen, unsere Unternehmenskulturen sind viel zu sehr von Angst geprägt: Mangel- und Konkurrenzdenken dominieren oft dort, wo unter der Oberfläche doch so viel Kreativität schlummert. Diese zu aktivieren ist mir persönlich ein großes Bedürfnis. So können Fülle- und Synergien entstehen, sowohl zwischen jungen und alten Mitarbeitern, Eltern und Singles, Frauen und Männern als auch allen scheinbar miteinander konkurrierenden Gruppen.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Ja, zum Glück. Wenn ich z.B. auf die GLS Bank schaue, bei der ich Mitglied bin, habe ich ein gutes Gefühl. Beide oben genannten Bedürfnisse spielen in der Unternehmensphilosophie eine entscheidende Rolle. Dank der Drogeriekette DM wird einem deutlich, dass sich gute Werte wie Nachhaltigkeit und eine menschliche Unternehmenskultur auf Kopf- und Herzhöhe durchsetzen können. Christian Felber aus der Gemeinwohlökonomie Bewegung, Götz Werner, Gründer von DM oder der Neurobiologe und Autor Gerald Hüther, sowie die Fair Trade Town Bewegung und viele viele andere kluge Quer- und Vordenker, im globalen und lokalen Kontext tragen dazu bei, dass sich das Bewusstsein für wirkliche Nachhaltigkeit in unserer Gesellschaft erhöht.

Dafür bin ich dankbar.

http://www.dariaczarlinska.com

CHRISTIAN HISS

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Ein Wirtschaften das die Zukunft offen lässt, das heißt in der Gegenwart nur so viel an Ressourcen verbrauchen wie aus der natürlicher, geistiger und technischer Regenerationskraft wieder beschafft werden kann.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das Recht auf Nahrung.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Der ökologische Landbau, der die Regenerationskraft der Natur als ökonomisches Grundprinzip hat

THERESA KRKNJAK

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Nachhaltiges Wirtschaften ist für mich, wenn der Mensch im Einklang mit der Natur, Tieren und natürlich sich selbst Ressourcen fördert, Produkte erzeugt und Handel betreibt. Das umfasst einerseits einen schonenden Umgang mit der Natur (z.B. Respekt vor Schutzzonen, Fanggrenzen), andererseits den fairen Umgang mit Menschen, die sich im Respekt vor Besitzrechten oder auch fairen Löhnen/Preisen widerspiegeln. Nachhaltiges Wirtschaften sollte das Zahlen von Entwicklungshilfe obsolet machen und Menschen die Mittel erwirtschaften lassen, die sie für ihre Arbeit verdienen.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das wichtigste (menschliche) Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte ist die Chance, an der Wirtschaft zu fairen Bedingungen teilhabenzu können.

So ist es nicht fair, wenn Kaffeebauern zu niedrigsten Löhnen ihre Bohnen verkaufen, diese dann aber mit horrenden Margen an den Endverbraucher weiterverkauft werden.

Es ist nicht fair, wenn Tiere, die nicht einmal etwas von ihrem wirtschaftlichen Wert haben, während der Produktion unter schlimmen Bedingungen gehalten werden, die sämtliche ihrer Rechten verletzen.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

– Original unverpackt

– Lush

– Too good to go

– Armed angels