LINDA SCHMIDT

Was verstehst du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Unter nachhaltigem Wirtschaften verstehe ich vor allem schonend und bedacht mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen. Dazu gehört für mich unter anderem ein gutes Recycling aber im ersten Schritt auch bereits die Entstehung von Abfallprodukten so gering wie möglich zu halten. Um langlebigere Produkte zu erhalten müssen die Menschen bereit sein mehr in gute Qualität zu investieren. Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich der Umweltschutz. Um die Luftverschmutzung durch CO2 Abgase so gering wie möglich zu halten, sollte zum Beispiel der ÖPNV oder sogar der gänzliche Verzicht auf motorisierte Verkehrsmittel (Rad, zu Fuß gehen) gefördert werden. Viele Unternehmen tragen bereits dazu bei, indem sie Jobtickets einführen oder kleine „Wettbewerbe“ veranstalten wo am Ende derjenige Mitarbeiter, der die meisten Schritte zurücklegt entsprechend gefördert wird. Auch eine Abkehr von der Massentierhaltung und chemischer Schädlingsbekämpfung mit Glyphosat hin zu einer Förderung von kleineren Agrarbetrieben mit artgerechter Haltung und Bio-Produktion wäre ein wichtiger Schritt.

 

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Ich finde eigentlich dass alle menschlichen Grundbedürfnisse Berücksichtigung finden sollten, um eine nachhaltig funktionierende Wirtschaft zu gewährleisten. Für mich persönlich steht wahrscheinlich der Schlaf an erster Stelle. Daher halte ich einen guten Mitarbeiterschutz zum Beispiel in Form einer Personalvertretung für essentiell. Dieses Grundbedürfnis wird zum Beispiel gewährleistet, indem es gewisse Maximalarbeitszeiten gibt, die den Menschen den Freiräume geben, die sie brauchen, um sich auszuruhen und motiviert um effektiv ihre Aufgaben zu erfüllen.

 

Gibt es deiner Meinung nach schon positive Beispiele?

Auch wenn es noch unendlich viel Verbesserungspotenzial in Bezug auf nachhhaltiges Wirtschaften gibt, fallen mir bereits nach kurzem Nachdenken sehr viele positive Beispiele ein. Es sind in den letzten Jahren zahlreiche Repair-Läden entstanden, in denen man unter Anleitung bestehende Gegenstände repariert, anstatt gleich wieder neue Produkte zu kaufen und damit Abfall zu produzieren. Auch gibt es inzwischen einige Kindergärten und Kitas mit Nachhaltigkeitschwerpunkt. Hier wird Wert auf die Mitnahme von ausschließlich gesunden Lebensmitteln gelegt oder teilweise sogar für das Mittagessen ein Koch engagiert, der regionale Bioprodukte verwendet. Auch wird hier auf Geschenke und Süßigkeiten an Geburtstagen verzichtet und anstattdessen das soziale Miteinander zelebriert, um weg vom Konsum zu gehen und anstatt dessen eher eine Art Wertschätzung zu zelebrieren. Auch setzen die meisten Hotels zunehmend auf mehr Nachhaltigkeit. Gäste werden gebeten Wasser sparsam zu verwenden (zB. 25 Hours Hotels: Seifenspender mit dem Aufdruck „Stop the water while using me“) und Handtücher und Bettwäsche werden nur noch auf Aufforderung gewechselt. Iberostar Hotels verzichten seit Kurzem auf die Verwendung von Plastikstrohalmen in ihren Restaurants. Auch Supermärkte verzichten auf die kostenlose Ausgabe von Plastiktüten. In einigen Supermärkten (Lidl) kann man anstelle der Ausgabe eines Pfandbons auch eine Spende an die Tafel veranlassen. Zu besonderen Anlässen Kleidungsstücke zu mieten anstatt zu kaufen wird immer alltäglicher. Plattformen zur Bildung von Fahrgemeinschaften tragen zur Schonung unserer Umwelt bei. Auch wenn mir bewusst ist, dass einige der genannten Beispiele von den Unternehmen nicht wirklich zum Umweltschutz oder einem nachhhaltigen Wirtschaften im Allgemeinen initiiert wurden, sondern eher den eigenen Kosteneinsparungen dienen oder einem positiven Image in der Öffentlichkeit, da von dieser ja auch in zunehmender Weise ein steigendes Maß an Corporate Social Responsibility erwartet und gewünscht ist, finde ich sie dennoch nennenswert und positiv, da sie einen wünschenswerten Gesamteffekt erzielen.

 

DR. ANNE HARDY

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Für mich bedeutet das, Ressourcen zu schonen (z.B. durch Recycling oder die Suche nach alternativen Rohstoffen), regenerative Energien zu verwenden (und durch Forschung effizient zu gewinnen und zu speichern), umweltfreundlich zu arbeiten (Berücksichtigung des ökologischen Fussabdrucks, Wirkung auf Ökosysteme und Biodiversität) und intelligente Logistik (kurze Transportwege). Es bedeutet aber auch, nachhaltig und gesundheitsverträglich mit der Ressource Mensch umzugehen.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Etwas Sinnvolles zu tun.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Carsharing-Modelle, Stadtteile mit autofreiem Wohnen (z.B. Freiburg), Wohnanlagen, in denen Abwässer in Grau- und Schwarzwasser getrennt und teilweise recycled werden (Modellprojekt in Frankfurt). Solarlampen für nicht elektrifizierte Regionen auf der Welt, die durch Spenden finanziert werden. Biotechnologische Forschung zu Gewinnung von Bioethanol aus Pflanzenabfällen (Prof. Eckhardt Boles an der Goethe-Universität). Unternehmen, die sich am Modell der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg orientieren.

MARINA PLOGHAUS

Was verstehst Du/Sie  unter fairem und nachhaltigem Wirtschaften?

Ich möchte die Frage auf aktuelle wirtschaftliche Prozesse beziehen. In der Textilindustrie sehe ich wenig „faire“ Arbeitsbedingungen. Ich denke, dass wir das Thema global angehen müssen. Faire und wahrheitsgemäße Angaben zu Produkten für den Verbraucher  vermisse ich bei der Automobil-Industrie. Es wird nicht bis zum Ende der Kette gedacht! Auch das gehört zum Nachhaltigen Wirtschaften. Nicht nur schneller, höher, besser – das ständige Wachstum vor Augen, sondern auch Ressourcen- Gewinnung, – Verbrauch und Recycling  vor Augen haben.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Alle Menschen sollten ihr Auskommen haben. Es geht nicht um die Maximierung der Gewinne einzelner Personen oder Personengruppen.

Gibt es aus Deiner/Ihrer  Sicht schon positive Beispiele?

Einige Firmen bemühen sich durch CSR-Projekte einen Teil des Gewinns für die Gesellschaft einzusetzen. Aber so eine „Muster-Firma“, bei der alles „stimmt“, kenne ich nicht.

Marina Ploghaus