ELLEN ENSLIN

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Die Wirtschaft hat als maßgeblicher Akteur in einer globalisierten Welt eine Verantwortung für die nachfolgenden Generationen und die begrenzten natürlichen Ressourcen.
Übertragen auf ein Unternehmen bedeutet Nachhaltigkeit die Verantwortung, Ressourcen effizient einzusetzen, um die Unternehmensaktivitäten sozial- und umweltverträglich kontinuierlich zu verbessern und so den ökonomischen Erfolg zu sichern.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?
Eine gesündere und lebenswertere Umwelt erhalten, denn sie bildet die Lebensgrundlage für zukünftige Generationen. Für Kunden und Partner ist Vertrauen und Transparenz wichtig, und dass Unternehmen fair, verantwortlich und ehrlich handeln. Besonders bei globalisierten Lieferketten tragen Unternehmen eine Verantwortung, unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen z. B. ihre Produkte produziert werden.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?
Natürlich! Neben den Unternehmen, bei denen Nachhaltigkeit Grundlage ihres Geschäftsmodells ist, gibt es auch „konventionelle“ Unternehmen, die sich mit Mut und Innovation auf den Weg gemacht haben, ihr Unternehmen nachhaltiger zu gestalten: z. B. das „Rinn Betonwerk“ oder die Druckerei Lokay. Rinn stellt seine Produktion auf CO2-Neutralität um und hat einen Recycling Stein entwickelt. Lokay hat schon frühzeitig seine Druckprozesse auf Nachhaltigkeit umgestellt.

DARIA NAGAIVSKA

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Die Sicherheit, dass wir morgen besser als heute leben werden, die sich auf dem Bewusstsein basiert, sich um die Welt zu kümmern und zwischen verschiedenen Alternativen die auswählen, die den nachthaltigen Resultaten mitbringen. Das aber verfolgt viel Selbständigkeit, die Kapazität für die eigenen Ressourcen zu leben und sich auf die kurzfristige aber große Gewinne zu verzichten. Die Frage ist, ob wir dafür schon bereit und genug erwachsen sind.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Die Selbstentwicklung, die schädliche oder motivierende Resultaten mitbringen kann. Dafür konnten wir auch das Beispiel von der Erfindung der Atombombe anführen, die einerseits eine der wichtigsten wissenschaftlichen Leistungen präsentiert hat und andererseits ein der schädlichsten Folgen mitbringen konnte. Deshalb ist die Innovationsethik heutzutage sehr wichtig, insbesondere wenn man über die Wirtschaftsentwicklung spricht.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

In der Ukraine ist heute die Welle der Entwicklung der Sozialunternehmen zu beobachten. Die Menschen investieren mehr Energie und Zeit in den langfristigen Projekten, die die lokale Gemeinschaften engagieren, etwas zusammen zu machen, was den Bedürfnissen von mehreren Bürgern entspricht. Eine der bekanntesten Beispielen sind Teple Misto Platform (http://warm.if.ua/en), Urban Space (http://urbanspace.if.ua/) und Dyvovyzhni (http://dyvovyzhni.uapellet.com). Aber das sind nur die Anhaltspunkte, die die Entwicklung der nachhaltigen Wirtschaften in der Ukraine repräsentieren.

KIRA SCHWARZ

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Unter nachhaltigem Wirtschaften verstehe ich die Art und Weise mit unternehmerischer Verantwortung dafür Sorge zu tragen, dass auch die Generationen nach uns noch in gleichem Umfang Zugang zu Ressourcen haben wie es uns aktuell möglich ist. Dies betrifft aus meiner Sicht sowohl die Nachhaltigkeit eines Unternehmens – sprich z.B. die Bindung von Mitarbeitern – als auch die Umwelt – d.h. so zu handeln und zu wirtschaften, dass die Umwelt hiervon soweit es geht unberührt bleibt.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Aus meiner Sicht ist das wichtigste menschliche Bedürfnis das nach Sicherheit. Sei es die Sicherheit, einen gesicherten Arbeitsplatz zu haben oder aber die Sicherheit, sich in seiner Umgebung frei und ohne Ängste bewegen zu können. In einer Zeit, in der es nicht mehr reicht, einfach nur einen Zaun oder eine Hecke um seinen Garten zu ziehen, müssen Unternehmen meiner Meinung nach ihren wirtschaftlichen Einfluss geltend machen, um diese Sicherheit der Zivilgesellschaft zu gewährleisten.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Ein Beispiel sind jene Unternehmen, die sich bereits zum Global Compact bekennen und ihre Strategie und Aktivitäten an Nachhaltigkeitszielen und der Vision des UN Global Compact ausrichten. Im Vergleich zum weltweiten Kommittent können sich meiner Meinung nach ruhig noch mehr deutsche Unternehmen zum Global Compact bekennen.

MICHAEL GREZA

Was verstehst du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Nachhaltiges Wirtschaften sollte zwei Aspekte berücksichtigen. Einerseits sollte sichergestellt sein, dass künftige Generationen den gleichen Zugang zu Ressourcen haben, wie es zum gegenwärtigen Zeitpunkt möglich ist, sprich: Ressourcen-, Klima- und Artenschutz müssen gewährleistet sein. Zum anderen soll ein fairer Umgang sowohl zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern als auch zu Zulieferern und Kunden den Erhalt eines beständigen und gesunden Unternehmens ermöglichen.

Was ist das wichtigste Grundbedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Es ist elementar, dass die Existenz jedes Menschen gesichert ist und der Arbeitgeber dies durch eine der Arbeit angemessene Bezahlung ermöglicht. Benachteiligte Menschen müssen gemeinsam von Staat und Wirtschaft gefördert werden, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Es gibt immer mehr Betriebe, die auf die Wahl ihrer Zulieferer oder die Produktionsbedingungen achten, um Umweltschäden gering zu halten oder diese zumindest auszugleichen. Obwohl natürlich noch in vielen Bereichen starke Verbesserungen nötig sind, befindet sich Rewe als großer Lebensmittelhändler auf einem guten Weg zu einem nachhaltigeren Wirtschaften.

Auch der Ruf nach besseren Arbeitsbedingungen und fairer Bezahlung wird von vielen Unternehmen auf der Suche nach Fachkräften gehört. Familienfreundliche Modelle sind auf dem Vormarsch und das Potential integrativer Unternehmen wie auticon wird langsam entdeckt.

Viele junge Unternehmen zeigen Möglichkeiten auf und gehen voran, jedoch ist die Dringlichkeit eines Umdenkens durch Klimawandel und zunehmend unausgewogener Vermögensverteilung größer, als der momentan tatsächlich stattfindende Wandel.

MATHIAS LUFT

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Nachhaltigkeit bedeutet für mich, dass am Ende ein Ausgleich von Ressourcen steht. Sprich, dass das, was ich zum Herstellen eines Produkts oder Erbringen einer Leistung benötigt wird, am Ende zurückgeben wird. Da wir heute in einer Gesellschaft leben, die vorrangig Dienstleistungen erbringt und immer weniger tatsächlich produziert (wobei auch Dienstleistungen produktiv sind), bedeutet es, dass die Ressource Mensch, die für die Erbringung der Dienstleistung benötigt wird, nicht verbraucht, sondern sorgfältig darauf geachtet wird einen Ausgleich zu bieten. Sei es durch entsprechende Urlaubsregeln, flexible Arbeitszeiten, Vertrauensarbeitszeit oder andere Methoden, die dem Mitarbeiter, ergo dem Mensch, helfen seine Kreativität zu behalten und ihn/sie davor bewahrt ausgebrannt zu werden. Gerade heute habe ich ein Interview von Michael Bublé gehört, der sagte, dass nur jemand, der ein glückliches Privatleben führt, auch ein glückliches Berufsleben haben kann. Genau diese Einsicht fehlt meiner Ansicht und Erfahrung nach noch in vielen Betrieben (und bei vielen Führungskräften), meiner Meinung nach besonders häufig in kleinen sowie in familiengeführten Betrieben.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das Bedürfnis nach einer sozialen Gemeinschaft. Immer mehr geht es in der heutigen Gesellschaft um die einzelne Person. “Ich” ist ein viel benutztes Wort, bereits bei Kindern. Unsere Kinder sollen in der Schule bereits lernen alleine klar zu kommen, das Vertrauen auf andere wird einem abgewöhnt, die enttäuschen ja nur, und so weiter. Hat der Mensch in der Wirtschaft, sprich: bei der Arbeitsstätte, keine soziale Gemeinschaft, verringert das nicht nur die Motivation und Produktivität, sondern zudem seine Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber. Mit einem positiven sozialen Umfeld in der Wirtschaft steht automatisch nicht mehr nur die Frage nach dem persönlichen Gewinn bei einem Wechsel im Vordergrund, sondern auch die nach dem Wohlergehen der Kollegen. Auch die Motivation der Menschen wird durch ein gutes, soziales Umfeld erhöht. Der Mensch kommt gerne zur Arbeit, nicht nur, weil er/sie Freude an der Tätigkeit hat, sondern auch an und wegen der Interaktion mit den Kollegen. Dafür müssen aber die Rahmenbedingungen gegeben sein: Ein Café oder Lounge Bereich, der dazu einlädt sich mit Kollegen zusammen zu setzen und eine Firmenkultur, die eine gemeinsame Pause der Kollegen nicht als Zeit- oder Produktivitätsverlust sieht, sondern als Gewinn. Denn durch diese Gespräche kommen oft auch neue, themenübergreifende Ideen auf.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Natürlich gibt es diese bereits, auch in größerer Menge und gefühlt immer mehr werdend. Unternehmenskulturen befinden sich im Wandel, gerade weil immer mehr Produktivität durch den Dienstleistungssektor erzeugt wird. Gerade dieser Wandel stellt viele Firmen aber gleichzeitig vor große Herausforderungen, die es in den nächsten Jahren zu meistern gilt. Diese Herausforderung kann am besten durch eine Starke Beteiligung aller Menschen in der Wirtschaft gemeistert werden. Es wird uns nicht weiterhelfen, wenn wenige entscheiden, wie eine zukünftige Unternehmenskultur aussehen kann, da Entscheidungen ohne Partizipation immer deutlicher schwieriger akzeptiert werden. Das sollte uns die Geschichte bereits klar und deutlich gelehrt haben.

DARIA CZARLINSKA

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Ursprünglich stammt der Begriff der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft. Carl von Carlowitz prägte den Begriff bereits um 1700, als die Ressource Holz knapp wurde. Er kritisierte den kurzfristigen Gewinn und Raubbau auf Kosten unserer endlichen Ressourcen und der kommenden Generation. Diese Kritik teile ich voll und ganz. Nachhaltiges Wirtschaften ist weniger der Ehrgeiz Unternehmen langfristig mit hohen Gewinnen auf dem Aktienmarkt zu halten. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für mich, die Natur als unsere Lebensgrundlage zu respektieren und sie immer in die Bilanz einzukalkulieren. Die Fragen: Was hallt nach, wenn ich nicht mehr da bin? Was möchte ich der Welt hinterlassen?, sind wesentlich, um für mich persönlich ein Gefühl von Sinnhaftigkeit zu erleben. Letztlich ist es für uns alle eine Übung mehr im Kategorischen Imperativ zu leben und uns bewusst zu machen: Die Natur kann ohne uns, wir aber nicht ohne sie!

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das größte Bedürfnis ist Überleben und damit auch eine intakte Natur. Ohne saubere Meere, und gesunde Ökosysteme, ohne saubere Luft geht nix mehr. Wir Menschen haben eine ganz kleine Kompfortzone, was die Temperatur anbelangt. Das sind 36,6 bis 37 Grad .Ein Grad mehr und wir sind krank. Dem Planeten geht es ähnlich, wir wollen es nur nicht sehen. Wir kennen es alle: Wenn wir krank sind, ist das Leben nicht lebenswert. Krank kann man nicht mehr viel wirtschaften, außer vielleicht man macht aus der Krankheit ein Geschäft.

Ein weiteres wichtiges Bedürfnis sind unsere Beziehungen. Wir wollen dazugehören, einen Platz in der Gesellschaft einnehmen. Wenn wir ständig gegeneinander sind, statt co-kreativ zu sein, werden wir krank. Unser Markt, unsere Unternehmen, unsere Unternehmenskulturen sind viel zu sehr von Angst geprägt: Mangel- und Konkurrenzdenken dominieren oft dort, wo unter der Oberfläche doch so viel Kreativität schlummert. Diese zu aktivieren ist mir persönlich ein großes Bedürfnis. So können Fülle- und Synergien entstehen, sowohl zwischen jungen und alten Mitarbeitern, Eltern und Singles, Frauen und Männern als auch allen scheinbar miteinander konkurrierenden Gruppen.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Ja, zum Glück. Wenn ich z.B. auf die GLS Bank schaue, bei der ich Mitglied bin, habe ich ein gutes Gefühl. Beide oben genannten Bedürfnisse spielen in der Unternehmensphilosophie eine entscheidende Rolle. Dank der Drogeriekette DM wird einem deutlich, dass sich gute Werte wie Nachhaltigkeit und eine menschliche Unternehmenskultur auf Kopf- und Herzhöhe durchsetzen können. Christian Felber aus der Gemeinwohlökonomie Bewegung, Götz Werner, Gründer von DM oder der Neurobiologe und Autor Gerald Hüther, sowie die Fair Trade Town Bewegung und viele viele andere kluge Quer- und Vordenker, im globalen und lokalen Kontext tragen dazu bei, dass sich das Bewusstsein für wirkliche Nachhaltigkeit in unserer Gesellschaft erhöht.

Dafür bin ich dankbar.

http://www.dariaczarlinska.com

CHRISTIAN HISS

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Ein Wirtschaften das die Zukunft offen lässt, das heißt in der Gegenwart nur so viel an Ressourcen verbrauchen wie aus der natürlicher, geistiger und technischer Regenerationskraft wieder beschafft werden kann.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das Recht auf Nahrung.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Der ökologische Landbau, der die Regenerationskraft der Natur als ökonomisches Grundprinzip hat

OLIVER BOMSDORF

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Bedauerlicherweise ist der Begriff der Nachhaltigkeit mittlerweile derart vergiftet, dass ich der Frage nicht traue.

Ich bin davon überzeugt, dass im Mehr und Jetzt Nachhaltigkeit nurmehr ein Marketing-Gag ist, der die wunderlichsten Blüten treibt. Unter der Prämisse des Wachstums, kann es keine Nachhaltigkeit geben, denn täglich müssen hierfür mehr Ressourcen verbraucht werden. Insofern ist nachhaltiges Wirtschaften unmöglich. Unternehmen, die dennoch von „Nachhaltigkeit“ sprechen, missbrauchen den Begriff. Sie machen sich über ihn lustig.

Das Schlimme ist, den meisten Tätern im Missbrauch des Begriffs, fällt dieser nicht einmal auf – das Marketing um ihn funktioniert. Singles im Hybrid-SUV halten ihre CO2-Weste für weiß, wenn sie nur Grün wählen. Und Unternehmen, die für ihre absurde Kommunikation Serverfarmen nutzen, deren Energieverbrauch schlicht obszön ist, glauben nachhaltig zu wirtschaften, wenn sie ihren Mitarbeiter/-innen untersagen, eine E-Mail auf ein Blättchen Papier aus – Achtung – nachhaltiger Forstwirtschaft zu drucken.

Solange Konkurrenz unser Unterbau und Wachstum das einzige Ziel des Wirtschaftens ist, spielt es keine Rolle, ob der ständig wachsende Energiebedarf aus Windrädern oder Sonnenpaneelen gedeckt wird. Beide wachsen nicht auf Bäumen und man benötigt folgerichtig Rohstoffe, deren Endlichkeit durch die Nachhaltigkeitsdebatte übertüncht wird. Nachhaltigkeit kann es nur geben, wenn man nicht ständig mehr will. Das ist so einfach wie vollkommen aus unseren Köpfen. Emissionen sind nicht unser Problem, die Plünderung unserer Ressourcen ist es.

Nur wenn die Konkurrenz, die in der Muttermilch oder im Trinkwasser verankert zu sein scheint, aus unseren Grundstrukturen endlich der Solidarität weicht und wenn Stillstand und Reduktion gesellschaftlich anerkannte Güter sind (wir brauchen ja den ganzen Plunder um uns herum nicht einmal), kann man beginnen, über nachhaltiges Wirtschaften zu sprechen. Aber das wäre in einer solidarischen Gesellschaft, die sich ihrer Ressourcen bewusst ist, ohnehin an der Tagesordnung.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Jedes menschliche Bedürfnis sollte in der Wirtschaft berücksichtigt werden. Aber auch diese Frage ist im Mehr und Jetzt obsolet. Der Mensch braucht drei Dinge: Ein Dach über’m Kopf, Nahrung und Würde. Unternehmen haben an der Würde ihrer Mitarbeiter/-innen kein Interesse, denn dann müssten sie ihnen auf Augenhöhe begegnen. Die Grundversorgung stellen sie bestenfalls her, aber selbst das ist nicht mehr gewährleistet. Auch hier steht der Gedanke des ständigen Wachsens logischerweise der Menschlichkeit im Weg. Man kann nur entweder seinen Gewinn mehren oder ihn teilen. Vor Absurditäten wie dem Dieselgipfel oder G20 muss wohl nicht erklärt werden, was zur Zeit Vorrang hat.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Die Schweizer Bahn vielleicht. Sicher die GLS-Bank und das Mietshäuser Syndikat sowie selbstverwaltete Betriebe in Südeuropa und Südamerika. Leider muss man positive Beispiele suchen, seitdem es kein konkurrierendes System mehr gibt. Mit dem Gegenmodell beim bösen Russen, musste die Marktwirtschaft ja noch „sozial“ heißen – sie wollte ja als das überlegene System gefeiert werden. Nun ist sie nicht mal mehr freundlich gesonnen.

STEFAN KRUSE

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Wirtschaft sollte dem Wohlstand aller dienen. Nicht den einseitigen Interessen einzelner. Nachhaltig bedeutet für mich, das nicht der kurzfristige Profit sondern der langfristige Erhalt von Ressourcen im Fokus steht. Nicht: wir müssen jetzt fossile Brennstoffe subventionieren, damit jetzt kurzfristig Einzelne verdienen. Sondern: wir müssen jetzt in die Zukunft investieren, damit wir eine Zukunft haben.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Wertschätzung! Niemand sollte abends nach Hause gehen mit dem Gefühl, in seiner Würde jeden Tag 8 Stunden lang beschnitten zu werden.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Ich habe große Unternehmen kennengelernt, ich habe kleine Unternehmen kennengelernt. Echte Wertschätzung habe ich nur in kleinen Unternehmen erfahren. Echte Nachhaltigkeit leider noch nirgendwo. Kleine Unternehmen können sich diesen Luxus häufig nicht leisten. Konzerne belassen es bei Greenwashing und Lippenbekenntnissen. Hier sehe ich die Politik gefordert, einen Wandel zu echter Nachhaltigkeit und Achtsamkeit vorzuleben und einzufordern.

DR. MARIO BUCHINGER

  1. Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Eine Wirtschaft, die den Menschen und der Gesellschaft dient und nicht den Menschen als Mittel zum Zweck sieht. Diese Haltung muss gleichermaßen für Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner gelten.

Menschen sind keine “Ressource” und auch keine Nummer in einer Excel-Tabelle. Der Mensch ist die Quelle der kontinuierlichen Verbesserung und besitzt eine Ressource, nämlich Zeit.

  1. Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Eine langfristige Perspektive, in der möglichst alle Menschen einen wertschätzenden Platz haben. Dies schließt den Schutz der Umwelt mit ein.

  1. Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Es gibt eine Vielzahl kleiner aber auch einige größere Unternehmen, die vieles davon bereits aktiv leben.

Kleine Unternehmen:

  • Johammer (A): Hat den Wandel vom Automobillieferanten zum Elektromobilitätsanbieter für Zweiräder gemeistert und alle MitarbeiterInnen dabei mitgenommen und ggf. neu qualifiziert.

  • Sonnentor (A): Setzt auf lokale Landwirtschaft und wertschätzenden Umgang mit Mitarbeitern.

Große Unternehmen:

  • Toyota (JP): Lebt die Kultur des Kaizen schon viele Jahrzehnte. Dabei werden die Verbesserungsvorschläge der Menschen einbezogen und neue Ideen in kleinen Schritten ausprobiert. Vorbildliche Fehlerkultur (Fehler als Chance zur Verbesserung) und immerwährende Kundenorientierung (Kunde ist kein Mittel zum Zwecke der Gewinnmaximierung sondern existenzielle Grundlage).