DR. MARTIN GEHRES

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

So wie meine Oma gewirtschaftet hat bzw. wirtschaften musste, ist für mich nachhaltiges Wirtschaften. Auch wenn meine Oma bestimmt nichts mit dem Begriff der Nachhaltigkeit hätte anfangen können, war sie eine Meisterin der Nachhaltigkeit. Das fing schon bei den Lebensmitteln an, es wurde nämlich regional und saisonal eingekauft und einiges sogar selbst produziert. So gab es verschiedenes Obst und Gemüse nur zu bestimmten Jahreszeiten, das hatte auch den schönen Nebeneffekt, dass man sich auch darauf freuen konnte. Ebenso wurde den Lebensmitteln eine gewisse Wertigkeit gegeben (es landete so gut wie nichts auf dem Müll) und die Arbeit der Produzenten wurde wertgeschätzt. Außerdem wurde darauf geachtet, dass hochwertige Dinge mit langer Lebensdauer angeschafft wurden, die falls notwendig, auch repariert werden konnten.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das Bedürfnis nach einem gesunden Leben sollte in der Wirtschaft Berücksichtigung finden!

Gibt es aus deiner Sicht schon positive Beispiele?

Ja, die gibt es. Jedoch meist nur bei kleinen mittelständigen Betrieben, wie. z.B. der Milchbetrieb von dem meine Eltern wöchentlich mit Milchprodukten beliefert werden. Dieser Familienbetrieb verzichtet auf den Zukauf von Kraftfutter für die Tiere und achtet besonders auf das Tierwohl. Die Milchkühe entscheiden selbst, ob und wann sie auf die Weide gehen und wann sie gemolken werden möchten. Dies gewährleistet eine gute und gesunde Milch. Und für mich bedeuten gesunde Lebensmittel auch ein gesundes Leben. Man kann jederzeit vorbei fahren und schauen, unter welchen guten Bedingungen die Tiere gehalten werden und wie das kleine aber hochwertige Angebot an Milchprodukten hergestellt wird. Der Vertrieb in Mehrwegverpackungen findet maximal in einem Umkreis von 50 km statt, was auch gut für die Umwelt ist.

INDRANI DAS SCHMID

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Unter nachhaltigem Wirtschaften verstehe ich, so zu wirtschaften, dass die nächste Generation oder die Umwelt keinen Schaden durch mein Handeln jetzt und in Zukunft nimmt. Dass der erwirtschafteter Gewinn sinnvoll angelegt wird, damit die nächste Generation auch in Zukunft davon profitiert. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für mich ebenfalls, sich sozial einzubringen und somit der Gesellschaft wieder etwas zurückzugeben.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Nur ein Bedürfnis? Für mich sind Wertschätzung und Respekt am wichtigsten.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Positive Beispiele sind für mich all die Sozial-UnternehmerInnen, die entweder ihren Familienbetrieb nachhaltig reorganisieren, oder von Anfang an diesen sozial-antrophosophischen Ansatz ins Geschäftsleitbild aufgenommen hatten

Beispiele: Vaude, DM, Hipp

Oder unsere Organisation: GFGZ

CHRISTIAN KROHN

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Dem System, in und von dem wir leben mit Demut, Bescheidenheit und Wertschätzung zu begegnen. Für mich bedeutet dies im Alltag, einzusehen und zu akzeptieren, dass ich der Bahn dem Vorzug vor dem Flugzeug gebe, fair gehandelte und/oder Bio-Produkte kaufe, um die dahinterstehende Wirtschaftsweise zu stärken. Dabei ist mir wichtig, dass dies maßvoll geschieht, also nicht strikt und dogmatisch, sondern stetig und bewusst.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das Bedürfnis nach Sinn. Etwas zu bewirken, beizutragen zum großen Ganzen, damit alle Lebensformen ein Stück besser – gesünder, sicherer, erfüllter, stimmiger, freier, dem eigenen Wesen entsprechend – leben können. In diesem Sinne mehr sein als haben.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Ebay – gebrauchte Waren im Nutzwert zu erhalten und zu nutzen. Die Bahn als Fortbewegungsalternative zum Flugzeug. Reparaturcafés, Recyclinghöfe, Bio-Läden, ökologische Landwirtschaft, Fairtrade-Siegel, Unverpackt-Läden, Eierpappe, Streuobstwiesen für alle, Handwerk, 16:8-Ernährung, CO2-Zertifikatehandel, The Yes Men fix the world, Pfandflaschen, Leitungswasser, Klärwerke, Katalysatoren, Gasherde, Umwelterziehung und -aufklärung in der Schule, Volkshochschulen, Nabu, Greenpeace, Sea-Shepherd, Amnesty International, Ärzte ohne Grenzen, Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg, Weleda, Semco… to be continued

FLORIAN SCHMID

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

So zu handeln, dass beim Streben nach Gewinnen, möglichst wenig – Umwelt, MitarbeiterInnen, Mitmenschen – zu Schaden kommen. Bzw. möglichst viele Win-Win-Situationen zu kreieren.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Wertschätzung

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Metzgerei Schaub, Baltersweil – Dettighofen: Ein typisches Kleinunternehmen im Bereich der Nahrungsmittelproduktion und des Nahrungsmittelvetriebs. Das Unternehmen bietet v.a. vielen Müttern einen sicheren Arbeitsplatz, was in einem strukturschwachen ländlichen Gebiet keine Selbstverständlichkeit ist.

JULIA WEIGELT

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Nachhaltiges Wirtschaften findet für mich auf zwei Ebenen statt: auf ökologischer Seite, indem Ressourcen geschont, Emissionen vermieden und langlebige Produkte hergestellt werden. Aber auch auf personeller Seite. Wer gute Leute sucht und halten möchte, muss für ein Klima sorgen, in dem Menschen gerne arbeiten. Dazu gehören unter anderem ein gelungenes Diversity-Management, Tele- und Teilzeitarbeitsmodelle und ein grundsätzlich wertschätzender Umgang im Team.

 

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Ein wertschätzender, respektvoller Umgang. Natürlich ist es notwendig, dass in Unternehmen auch harte Entscheidungen getroffen werden und im Team auch kritisiert werden muss. Wer sich als Mitarbeiter allerdings geringgeschätzt fühlt, sitzt oft nur noch seine Zeit ab und wird häufiger krank. Investitionen in ein gutes Unternehmensklima – und das bedeutet häufig, die Fähigkeiten der Führungskräfte unter die Lupe zu nehmen – sind deswegen immer auch in wirtschaftlicher Sicht sinnvoll.

Den meisten großen Unternehmen ist heute klar, wie eng wirtschaftlicher Erfolg und gelungene Personalwirtschaft zusammenhängen. Ein gutes Produkt und volle Auftragsbücher reichen nicht mehr – wer nicht genug Mitarbeiter hat, macht Verluste bzw. bleibt hinter seinem Potenzial zurück.

 

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Führungskräfte erhalten immer häufiger Coachings, um ihre Führungsfähigkeiten zu verbessern. Mich hat es gefreut, dass es dieses Angebot inzwischen auch in der Bundeswehr gibt (auch wenn das natürlich kein Unternehmen wie jedes Andere ist). Spitzenpersonal wird von einem zivil-militärischen Team begleitet, Untergebene sind aufgefordert, anonym die Leistung ihres Vorgesetzten zu bewerten. So mancher General erfährt sein langem erstmals, was seine Leute wirklich von ihm halten. Und die Klugen machen was draus 🙂

Nach anfänglichem Zögern wird das Programm inzwischen sehr gut angenommen.

STEFAN KRUSE

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Wirtschaft sollte dem Wohlstand aller dienen. Nicht den einseitigen Interessen einzelner. Nachhaltig bedeutet für mich, das nicht der kurzfristige Profit sondern der langfristige Erhalt von Ressourcen im Fokus steht. Nicht: wir müssen jetzt fossile Brennstoffe subventionieren, damit jetzt kurzfristig Einzelne verdienen. Sondern: wir müssen jetzt in die Zukunft investieren, damit wir eine Zukunft haben.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Wertschätzung! Niemand sollte abends nach Hause gehen mit dem Gefühl, in seiner Würde jeden Tag 8 Stunden lang beschnitten zu werden.

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Ich habe große Unternehmen kennengelernt, ich habe kleine Unternehmen kennengelernt. Echte Wertschätzung habe ich nur in kleinen Unternehmen erfahren. Echte Nachhaltigkeit leider noch nirgendwo. Kleine Unternehmen können sich diesen Luxus häufig nicht leisten. Konzerne belassen es bei Greenwashing und Lippenbekenntnissen. Hier sehe ich die Politik gefordert, einen Wandel zu echter Nachhaltigkeit und Achtsamkeit vorzuleben und einzufordern.

OTTO HERZ

Bevor ich auf die mir gestellten FRAGEN eingehe:

* Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

* Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

* Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

muss ich doch wohl wissen, muss ich darum klären,
müssen wir uns darauf – intersubjektiv – verständigen,

was denn mit WIRTSCHAFTEN gemeint ist,
was mit WIRTSCHAFTEN gemeint sein soll …


Oder darf ich die
Fragen variieren?
(Typisch Otto, werden Personen, die mich kennen, sagen:

ER kann (oder will …) sich einfach nicht einfach einfügen in Vorgegebenes,

er will – immer und immer wieder – seine eigenen Horizonte aufreißen …)

Nun ja: wirklich schlimm finde ich meine Herangehensweise an die aufgeworfenen Fragen nicht … – Durch EIGENES wird das ALLGEMEINE reicher an Einsicht,
nähert sich auch das EIGENE der Komplexität des ALLGEMEINEN an,
der Komplexität, die in allen Fragen enthalten ist …

Ich stelle mir also – ohne schlechtes Gewissen, wohl aber mit gutem Wissen – eigene, ich stelle mir neue Fragen: Fragen, die aber schon nahe bei den mir angereichten anzu-siedeln sind; und die dennoch eigene Aspekte aufsuchen, aufrufen, aufzeigen …

(1) Was verstehe ich unter nachhaltigem LEBEN?

(2) Was ist das wichtigste menschliche BEDÜRFNIS,

das im LEBEN Berücksichtigung finden sollte?

(3) Gibt es in meiner Sicht schon positive Beispiele?

Meine Antworten:

(ad 1) Was verstehe ich unter nachhaltigem LEBEN?
Als der Begriff der NACHHALTIGKEIT anfing, vor allem eine sprachliche Blitz-Karriere zu starten, die Sprach-Karriere erklomm schneller viele – auch wirre – Wort-Wipfel, als dass der Begriff zur Vertiefung eines Bewusst-SEINS führte, zu einer Veränderung eines bewussten Seins führte, da formulierte ich rasch, als Schutzwall gegen eine Begriffs-Verflachung gedacht, zunächst einmal DIES als Antwort auf die Grundsatz-Frage
Was meint ’Nachhaltigkeit’?

(Ich formulierte das Nachfolgende … Und ließ gestaltete Sonder-Drucke, ein A-4-Blatt, drucken, um das Tiefen-Verständnis von NACHHALTIGKEIT der Oberfläch-lichkeits-Tendenz zur Massen-Verbreitung nicht einfach auszuliefern, nach Möglich-keit zu entziehen …) – Und hier kommt nun mein Sonder-Druck mit meiner Ant-wort, was NACHHALTIGKEIT – m. E.! – meint … – (Der Sonderdruck muss hier nun eingefügt werden, das muss aber jemand machen, der/die in dieser Weise mit dem PC umzugehen weiß … – Sonderdrucke, eben gestaltete A-4-Blätter, kann ich zur Verfügung stellen …

Auf
diesem begrifflichen Hintergrund kann ich nun dann auch anschließend sagen,
was ICH unter NACHHALTIGEM LEBEN verstehe:

* Ich pflanze mehr Bäume an, als dass ich zulasse,
dass Bäume gefällt werden …
Meine Hoch-Achtung möchte ich in diesem Zusammenhang
ausdrücklich aussprechen z. B. www.plant-for-the-planet.org!

* Ich achte darauf, dass für alle Regionen der Welt hinreichend
SAAT.GUT zur Verfügung steht, dass SAAT.GUT sich aussähen,
sich ausbreiten und sich ausweiten kann …

* Wenn – zu viele, wenn unnötigerweise – Flüsse begradigt werden,
organisiere ich – mit vielen anderen zusammen – Widerstand, reihe mich
in diesen ein, wenn es ihn schon gibt … Ich setze mich dann dafür ein,
dass das natürliche
Mäandrieren Vorrang behält vor dem künstlichen Regulieren …

* Gegen jede Form rassistischen Handelns, das rassistische Handeln beginnt meist mit abwertenden Wort-Wahlen, animiere ich zum Aufstand! – Ich versuche, Worte so zu wählen, eine Sprache so zu sprechen, dass die WERT-Schätzung zum Ausdruck kommt, nicht in falschen WORT-Schöpfungen unter-geht …
Ein – mir derzeit besonders wichtiges – Beispiel:
Das – meist undifferenziert gebrauchte – Massen-Etikettierungs-Wort so genannter „FLÜCHTLINGE“ habe ich aus meinem Wort-Schatz
gestrichen.
Ich weiß aber natürlich und versuche mir gerade deswegen, mir diesbe- züglich ein differenziertes Wissen anzueignen, dass es viele Menschen an vielen Stellen dieser Erde gibt, die eine neue HEIMAT
suchen, weil ihnen in ihrer alten Heimat der Boden, ihre Existenz in Frieden und Freiheit, unter den Füßen – aus unterschiedlichen Gründen – entrissen wurde … Sie suchen eine neue HEIMAT oft nicht wirklich, nicht wirklich frei und auch nicht wirklich willig, also eher wider-willig als freiwillig … Sie würden am liebsten in ihrer alten HEIMAT bleiben oder möglichst bald in diese zurückkehren … Aber sie müssen erst einmal ausbrechen, sie müssen aufbrechen: weil, wollen sie weiter leben, es ihnen erst einmal als das kleinere Übel erscheint, die alte Heimat zu verlassen und eine neue – meist unter sehr erschwerten Bedingungen – zu suchen und zu finden … – Es ist kein freundlicher Sprach- Akt, Menschen als etwas zu etikettieren, was sie am liebsten nicht wären … Als FLÜCHTLING zu gelten, FLÜCHTLING zu heißen, als FLÜCHTLING benannt, einsortiert und registriert zu werden: das ist auch schon deswegen kein MENSCHEN FREUNDLICHER AKT, weil bei den wenigsten Menschen so ein Status als Wunsch-Traum für wahr-zu-nehmen ist … Und Menschen, die alle einzigartige Individuen sind, mit meist höchst individuellen LEBENS-
GESCHICHTEN, die alle einen NAMEN haben, ein GESCHLECHT, eine HERKUNFT, einen SOZIALEN STATUS, einen LERN-GESCHICHTE, eine AUSBILDUNG, einen BERUF, eine FAMILIE und, und, und … solche Menschen unter
unbestimmten Sammelbegriffen zusammen-zufassen, sie in Sammel-Begriffe ein- und ihnen unter-zu-ordnen, das ist einfach unmensch- lich, nicht menschen-rechts-gerecht

Die Unterscheidung zwischen IN-Ländern und AUS-Ländern kenne ich nicht mehr. Ich bin PLANETARIER. Als PLANETARIER trete ich überall auf, als PLANETARIER oute mich allüberall … – Und ich lade zu friedvollem Mit- Einander alle anderen Menschen ein, die auch PLANETARIER sind.


Aus der Zugehörigkeit zur PLANETARISCHEN WELT-GEMEINSCHAFT
und WELT-GESELLSCHAFT darf, soll und kann niemand durch Niemanden ausgegrenzt, darf, soll, kann niemand durch Niemanden ausgeschlossen werden … * UNSER ALLER HEIMAT IST DIE GANZE WELT! Die MUTTER ERDE. Der Blaue PLANET …

* Ich übe, dem Beschleunigungs-WAHN den achtbaren Gang entgegenzusetzen … Was mir aber, ich bekenne es, mir noch nicht gut gelingt …

* Ich unterstütze alle die, die Störchen eine Heimstatt geben. Oder Bienen … Oder … – Im Regenwald habe ich gelernt, dass auf Seil-Pfaden in Mittelhöhen zu gehen, mehr Ameisen, unverzichtbar für das Gesamt-Öko-System, das Über-Leben am Boden sichert, als wenn ich selbst auf dem Boden stampfe …

Mit anderen Worten: ich versuche,
einerseits mein BEWUSST-SEIN zu erweitern …
Und auf der Basis eines neuen BEWUSST-SEINS
lebens-froh, lebendig, wachsam und achtsam,
konsequent und kontinuierlich kritisch und konstruktiv zu SEIN …

(ad 2) Was ist das wichtigste menschliche BEDÜRFNIS,

das im LEBEN Berücksichtigung finden sollte?


(M)Eine eindeutige Antwort:
Die LIEBE. Die LIEBE. Die LIEBE.
NICHT nur die FREUNDES-LIEBE. Die FREUNDES-LIEBE ist ja meist Selbst-Zweck. Und damit meistens und meist mehr auf
mich selbst gerichtet, auf mich selbst bezogen, als auf den jeweils Anderen und Andere …

Die anspruchsvolle Form der LIEBE ist die LIEBE zu FREMDEN bis hin zur FEINDES-LIEBE. Wer „FEINDE“ liebt, trägt dazu bei, dass FEINDE aussterben …
In diesem Sinne einen LIEBES-Kampf durchaus zu kämpfen, tritt an die Stelle der WAFFEN-Kämpfe nach (Massen-Vernichtungs-)WAFFEN-KÄUFEN …

(ad 3) Gibt es in meiner Sicht schon positive Beispiele?

Ja, ja, ja …!!! – Es gibt nicht „mehr als genug“ Beispiele … Es gibt aber genug Bei-spiele, um Hoffnungs-FROH zu bleiben und nicht hoffnungs-LOS zu werden.
Wobei ich das Wort von
Vaclav Havel in diesem Kontext immer gerne mit heraus-stelle, uns allen anempfehle:

Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht,
sondern, dass etwas
Sinn hat, egal, wie es ausgeht.“

Und nun lasst uns eintreten in den Austausch von positiven Beispielen, schließen wir uns schon bestehenden positiven Beispielen an, initiieren wir weitere positive Bei-spiele und, und, und …

Und: Be the change you want to see in the world!
Mahatma Gandhi

DR. MARIO BUCHINGER

  1. Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Eine Wirtschaft, die den Menschen und der Gesellschaft dient und nicht den Menschen als Mittel zum Zweck sieht. Diese Haltung muss gleichermaßen für Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner gelten.

Menschen sind keine “Ressource” und auch keine Nummer in einer Excel-Tabelle. Der Mensch ist die Quelle der kontinuierlichen Verbesserung und besitzt eine Ressource, nämlich Zeit.

  1. Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Eine langfristige Perspektive, in der möglichst alle Menschen einen wertschätzenden Platz haben. Dies schließt den Schutz der Umwelt mit ein.

  1. Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Es gibt eine Vielzahl kleiner aber auch einige größere Unternehmen, die vieles davon bereits aktiv leben.

Kleine Unternehmen:

  • Johammer (A): Hat den Wandel vom Automobillieferanten zum Elektromobilitätsanbieter für Zweiräder gemeistert und alle MitarbeiterInnen dabei mitgenommen und ggf. neu qualifiziert.

  • Sonnentor (A): Setzt auf lokale Landwirtschaft und wertschätzenden Umgang mit Mitarbeitern.

Große Unternehmen:

  • Toyota (JP): Lebt die Kultur des Kaizen schon viele Jahrzehnte. Dabei werden die Verbesserungsvorschläge der Menschen einbezogen und neue Ideen in kleinen Schritten ausprobiert. Vorbildliche Fehlerkultur (Fehler als Chance zur Verbesserung) und immerwährende Kundenorientierung (Kunde ist kein Mittel zum Zwecke der Gewinnmaximierung sondern existenzielle Grundlage).

MARLENE HAAS

Was verstehst Du/Sie unter fairem und nachhaltigem Wirtschaften?

Im IHK Gesetz ist der Auftrag formuliert, „für Anstand und Sitte des ehrbaren Kaufmanns zu sorgen“, damit gemeint sind aus langer Tradition heraus Tugenden wie bspw. Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit, Loyalität und Respekt gegenüber seinen Anspruchsgruppen.

Die IHK Frankfurt am Main hat ihr Verständnis modifiziert. Denn die Haltung des ehrbaren Kaufmanns kennzeichnet zwar den Umgang mit der Verantwortung, die Unternehmen gegenüber Umwelt und Gesellschaft haben, doch dies hat nicht zwingend Einfluss auf das Geschäftsmodell und die Geschäftspolitik selbst.

Nachhaltiges Wirtschaften verstehen wir als einen Prozess, in dem Unternehmen ihr Kerngeschäft wirtschaftlich erfolgreich, aber auch sozial und ökologisch verantwortlich betreiben und dabei ihre gesamte Wertschöpfungskette im Blick haben.

Gewiss ist: Wer ein Unternehmen führt muss profitabel wirtschaften. Unternehmen haben die Aufgabe, Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die der Markt – also die Gesellschaft – verlangt, um damit Gewinne zu erzielen. Doch um den langfristigen Unternehmenserfolg zu sichern, müssen Unternehmen auch die Verantwortung für die gesellschaftlichen Auswirkungen ihres Handelns übernehmen. Denn Wirtschaft ist für den Menschen da und nicht umgekehrt.

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Das ist eine gute Frage. Für mich persönlich als arbeitender Mensch geht es um Wertschätzung und die Sicherung meines Bedürfnisses nach Wohlergehen, bspw. durch meine Bürogemeinschaft oder einen guten Umgang mit meinen Kunden. Was Wohlergehen für den einzelnen heißt, ist per Definition unterschiedlich. Für einige bedeutet es sicherlich eher eine finanzielle Absicherung, für andere Selbstverwirklichung. Daher finde ich das Festlegen eines Bedürfnisses schwierig; es geht für mich um die Berücksichtigung des menschlichen Bedürfnisses nach Wohlbefinden – natürlich so, dass kein anderer dadurch Schaden nimmt.

Gibt es aus Deiner/Ihrer Sicht schon positive Beispiele?

Na klar. Seit 2014 ist der Arbeitskreis Nachhaltigkeit in der IHK Frankfurt am Main aktiv. Zu den Teilnehmern zählen über sechzig Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Unternehmensgrößen. Sie überlegen und diskutieren in regelmäßigen Sitzungen im Jahr, wie nachhaltiges Wirtschaften in der Region gefördert werden kann.

Ein gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit und nachhaltigem Wirtschaften gab es bisher nicht und so sind wir immer wieder in Diskussionen an Grenzen gestoßen. Daher war es aus Sicht der lokalen Akteure erforderlich solch ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln, um den Unternehmen eine Orientierung zu geben. Auch hinsichtlich des Inkrafttretens der CSR Berichtspflicht ab dem 1. Januar 2017 war es aus unserer Sicht wichtig, dies zu tun.

Auf Initiative der Mitglieder des Arbeitskreises wurde daher im Mai 2016 ein moderierter Prozess, unter Beteiligung von Vertretern aller relevanten Branchen aus dem IHK-Bezirk ins Leben gerufen. Entstanden ist innerhalb von sieben Monaten ein umfassendes Positionspapier, hinter dem das Ehrenamt der IHK Frankfurt am Main vollumfänglich steht. Am 14. Dezember 2016 hat die Vollversammlung das Papier einstimmig angenommen. Uns war der interdisziplinäre Ansatz wichtig, damit sich alle Branchen des IHK-Bezirks in dem Positionspapier wiederfinden.

Ziel ist zum einen die IHK nach außen im Bereich der Nachhaltigkeit zu positionieren, zum anderen soll den IHK-Mitgliedern eine Handhabe gegeben werden, um ihr unternehmerisches Handeln an den Kriterien der Nachhaltigkeit ausrichten zu können. Beides dient dazu, die Verantwortung der Wirtschaft im IHK-Bezirk für gesellschaftliche Aufgaben zu stärken und dabei Wettbewerbsvorteile und neue Geschäftschancen zu identifizieren. Des Weiteren setzt sich die IHK zum Ziel, auch nach innen gerichtet nachhaltiger zu werden.

Doch im Sinne einer Verantwortungspartnerschaft sind die Unternehmen nicht allein gefordert: Auch die Kunden, die Politik und die Öffentlichkeit müssen ihrer Verantwortung gerecht werden.

In dem vorliegenden Positionspapier werden neben dem Weg hin zu einem nachhaltigen Wirtschaften auch die Erwartungen der Unternehmen an eine nachhaltige Politik zum Ausdruck gebracht. Um langfristig, erfolgreich und nachhaltig am Markt agieren und wettbewerbsfähig sein zu können, sind Unternehmen auf ein verlässliches und stabiles wirtschaftspolitisches Umfeld angewiesen, das ihnen größtmögliche Entscheidungsfreiräume bietet.

Wir sehen die Politik in der Rolle einer Lotsin und Spielgestalterin, die mit gezielten Anreizen die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft stimuliert und so die Wettbewerbsfähigkeit von Standorten stärkt und nicht einschränkt. Besonders hilfreich wäre, dass strategische und wirtschaftspolitische Entscheidungen im Dialog mit den Unternehmen über die Dauer von Legislaturperioden hinaus verhandelt werden.

Zur Stärkung der Nachhaltigkeit wäre die Beachtung folgender Aspekte durch die Politik hilfreich:

Einheitlicher Ordnungsrahmen, gleiche und faire Spielregeln für alle.

Nachhaltigkeit als Leitprinzip, verbunden mit der Gestaltungsfreiheit für Unternehmen.

So viel Regulierung wie nötig, so viel Freiheit wie möglich.

Verlässliche, berechenbare politische Vorgaben (Anreize, Unterstützung, Grenzwerte).

Kontinuierliche Investitionen in eine nachhaltige Infrastruktur zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts.

Staatliche Institutionen sollten beispielgebend für Unternehmen sein.

Und neben der IHK gibt es in unserer Region ganz viele wunderbare Unternehmen, GründerInnen und Multi-Stakeholder-Projekte, die eine große Kraft entfalten, weil sie eine neue Kultur des „miteinander Wirtschaft gestalten“ etablieren. Wichtig ist es jedoch aus meiner Sicht, wirklich noch  mehr nach den Rahmenbedingungen und politischen Hebeln zu schauen. Aus meinem Unternehmen, der Lust auf besser leben gGmbH, ein Beispiel: Wir wollen auf der Berger Straße mit der Kampagne ‚Ich bin dabei: Plastikfrei!‘ die Bestrebungen der Stadt „Frankfurt trägt weniger Plastik“ umsetzen. Verschiedene Gewerbevereine sind aktiv, Bürger und Vereine.

Wir etablieren zehn Taschenstationen entlang der Berger Straße, die wie ein Bücherschrank funktionieren, nur für Taschen. Aber: Eigentlich würden viele gerne weiter gehen. Doch für ‚unverpackt‘-Initiativen und Start-ups wie gramm.genau, ist die Platzierung des Themas langfristig (nachhaltig) schwierig, weil z.B. Hygienestandards entgegenwirken. Gleiches gilt für unverpackte Caterings oder Hotelbüffets. Hier zeigt sich, dass Politik an der einen Stelle Nachhaltigkeit und die Agenda2030 proklamiert, an anderer Stelle aber keine Neuerungen an Gesetzen vornimmt, die es den Unternehmen und Bürgern schwer machen, alltagstauglich nachhaltig zu handeln.

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„Nachhaltigkeit als gemeinsamer Weg- der Prozess einer Industrie- und Handelskammer“

Biographie Marlene Haas

2011 absolvierte Marlene Haas ihre Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau im Freilichtmuseum Hessenpark; direkt im Anschluss gründete sie ihr Einzelunternehmen KULTpour, mit dem sie Projekte und Veranstaltungen in den Bereichen Kultur, Soziales und Nachhaltigkeit realisiert.

Nur wenige Jahre später, 2014, gründete sie die Lust auf besser leben gGmbH, Kompetenzzentrum für nachhaltige Entwicklung im urbanen Raum.

Im gleichen Jahr wurde sie in die Vollversammlung und ins Präsidium der IHK Frankfurt am Main gewählt und initiierte den Arbeitskreis Nachhaltigkeit.

Mittlerweile ist Marlene Haas in ihrem Unternehmen als geschäftsführende Gesellschafterin für Projekte in den Bereichen nachhaltige Quartiersentwicklung, Nachhaltigkeitskommunikation und Veranstaltungen zuständig.  In der IHK begleitete die branchenübergreifende Positionierung ‚Nachhaltiges Wirtschaften‘, die im Dezember 2016 einstimmig von der Vollversammlung verabschiedet wurde. Darauf aufbauen gibt es in der Kammer seit Anfang 2017 deutschlandweit das erste Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit.

Zitat

„Nachhaltigkeit ist ein Prozess, der Geduld, Wohlwollen, siloübergreifende  Kompetenz und Humor bedarf. Denn nicht nur das Thema selbst ist komplex – betrachtet man es ganzheitlich wie die Agenda2030 es tut –, auch die Menschen, die nachhaltiges Handeln und Denken als Kultur für sich entdecken und umsetzen, sind es. Daher lohnt es sich, Schritt für Schritt den Weg gemeinsam zu gehen ohne an Rückschlägen zu verzweifeln.“