JULIA BIALEK

Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Nachhaltiges Wirtschaften hat viele Dimensionen. In meiner Antwort beziehe ich mich lediglich auf nachhaltiges Wirtschaften mit Blick auf Unternehmen. Nachhaltig wirtschaftet ein Unternehmen aus meiner Sicht, wenn es einen gesellschaftlichen Mehrwert liefert und gleichzeitig Umweltaspekte in alle Überlegungen und Prozesse einbezieht. Relevant ist dabei der Zweck des Unternehmens. Warum gibt es ein Unternehmen? Und was ist die Daseinsberechtigung? Wieso braucht die Gesellschaft das Unternehmen? Ist die Output-Bilanz langfristig positiv-auch aus umwelttechnischen Aspekten. Nur wenn diese Fragen (positiv) beantwortet werden können, sind die Grundvoraussetzungen für nachhaltiges Wirtschaften erfüllt. Schlussendlich geht es auch darum, den Zweck bestmöglich zu erreichen. Bestmöglich im nachhaltigen Sinne bedeutet, Ressourcen zu nutzen, aber nicht auszubeuten. Rechtfertigt der Mehrwert zum Erreichen des Zweckes die Nutzung von natürlichen Ressourcen? Dabei geht es nicht nur darum, die Natur nicht auszubeuten. Auch andere – beispielsweise menschliche Ressourcen – sollten bestmöglich genutzt werden. Nachhaltigkeit hat meines Erachtens also viele Perspektiven, die auf die Bilanz einzahlen (zeitlich, sachlich…).

Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Physiologische Bedürfnisse, wie Maslow sagen würde. 🙂 In unserer Gesellschaft und wenn ich mich auf mein persönliches Umfeld beziehe: Das Bedürfnis nach Sinn. Das Verlangen, eine Tätigkeit auszuführen, die sinnvoll ist und einem Zweck dient – so scheint es mir – wird immer größer. Warum gehe ich einer Tätigkeit nach und welchen gesellschaftlichen Nutzen hat sie? Auf wessen oder welche Kosten geht das?

Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Ein positives Beispiel, das mir ad hoc einfällt ist: Armedangels.

DR. MARIO BUCHINGER

  1. Was verstehst Du unter nachhaltigem Wirtschaften?

Eine Wirtschaft, die den Menschen und der Gesellschaft dient und nicht den Menschen als Mittel zum Zweck sieht. Diese Haltung muss gleichermaßen für Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner gelten.

Menschen sind keine “Ressource” und auch keine Nummer in einer Excel-Tabelle. Der Mensch ist die Quelle der kontinuierlichen Verbesserung und besitzt eine Ressource, nämlich Zeit.

  1. Was ist das wichtigste menschliche Bedürfnis, das in der Wirtschaft Berücksichtigung finden sollte?

Eine langfristige Perspektive, in der möglichst alle Menschen einen wertschätzenden Platz haben. Dies schließt den Schutz der Umwelt mit ein.

  1. Gibt es aus Deiner Sicht schon positive Beispiele?

Es gibt eine Vielzahl kleiner aber auch einige größere Unternehmen, die vieles davon bereits aktiv leben.

Kleine Unternehmen:

  • Johammer (A): Hat den Wandel vom Automobillieferanten zum Elektromobilitätsanbieter für Zweiräder gemeistert und alle MitarbeiterInnen dabei mitgenommen und ggf. neu qualifiziert.

  • Sonnentor (A): Setzt auf lokale Landwirtschaft und wertschätzenden Umgang mit Mitarbeitern.

Große Unternehmen:

  • Toyota (JP): Lebt die Kultur des Kaizen schon viele Jahrzehnte. Dabei werden die Verbesserungsvorschläge der Menschen einbezogen und neue Ideen in kleinen Schritten ausprobiert. Vorbildliche Fehlerkultur (Fehler als Chance zur Verbesserung) und immerwährende Kundenorientierung (Kunde ist kein Mittel zum Zwecke der Gewinnmaximierung sondern existenzielle Grundlage).